Bauhaus-Universität Weimar

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With. Burkamp. 
eigentümlichen Weise des Gegenstandes, Licht zu reflektieren, 
als Wahrgenommenes im Be wulstsein erscheint. 
Bei Tieren, die keine Aussagen machen können, liefse sich 
höchstens feststellen, dafs sie auf die Faktoren ihrer Umgebung 
reagieren, die bei uns die eigentliche Farbe bedingen, also auf 
die Eigentümlichkeit der Lichtremission an den Oberflächen, 
nicht auf die Farbe des Netzhautbildes. Der Fisch könnte aber 
auch auf die Farbigkeit des Netzhauteindrucks reagieren, die ja 
zum wesentlichen Teil durch die Beleuchtung mitbestimmt ist. 
Im ersteren Falle würde eine aufserordentlich zweckmäfsige 
Funktion des menschlichen psychischen Regulationssystems im 
Fischnervensystem ein Analogon haben, das wahrscheinlich der 
gleichen Funktion im Menschen auch homolog, nicht nur analog 
wäre. Wir werden auch dies eine Transformation des Netzhaut¬ 
eindrucks nennen. 
Die Beleuchtung kann in der Helligkeit oder in der Bunt¬ 
heit der Tönung von der normalen verschieden sein. Beide 
Variationen habe ich vorgenommen. Es müssen dem Fisch 
Reihen von Objekten geboten werden, die dem Objekt, auf das 
er zu reagieren gewohnt ist, in allen Eigentümlichkeiten aufser 
der Farbe gleich sind. Mindestens ein Objekt mufs den gleichen 
Farbanstrich, also die gleiche „eigentliche Farbe“ wie das reak¬ 
tionserregende Objekt haben. Mindestens ein Objekt mufs 
unter der neuen Beleuchtung eine annähernd gleiche Farbigkeit 
des Netzhauteindrucks wie das reaktionserregende Objekt unter 
der gewohnten Beleuchtung erzeugen. Auf welches Objekt re¬ 
agiert der Fisch? 
Soll es sich um das „Sehen“ der Fische handeln, nicht um 
das Reagieren auf Netzhauteindrücke überhaupt, so mufs schon 
eine Reaktion gewählt werden, die bei uns Menschen an die 
psychische Funktion des Sehens geknüpft ist. Nur die Re¬ 
aktion infolge „Erfahrung“ an dem durch das Gesichtsbild mit¬ 
bestimmten Ding gibt in dieser Hinsicht die gröfstmögliche Zu¬ 
verlässigkeit. Dafs man prinzipiell immer noch zweifeln kann, 
ob es sich selbst bei Dressurversuchen wirklich um den psy¬ 
chischen Prozefs des Sehens handelt, soll hier nur erwähnt, 
nicht diskutiert werden.1 Arteigentümliche Reaktionsweisen auf 
rVgl. hierzu meine Arbeit „Die Kausalität des psychischen Prozesses 
und die unbewußten Aktionsregulationen“. Berlin 1922. Besonders Teil , 
Abschn. 5, Teil III, Abschn. 7, Ziff. 3 u. 4.
        

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