Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die räumlichen Wahrnehmungen der Jugendlichen in der eidetischen Entwicklungsphase [1. Teil: Über den scheinbaren Ort / 2. Teil: Über die scheinbare Größe / 3. Teil: Über die scheinbare Gestalt]
Person:
Freiling, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36084/50/
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H. Freiling. 
„sind“. Eben dieses Übergewicht wird die Vorstellung auch schon 
in der hier betrachteten Entwicklungsphase immer zunehmend 
gewinnen, die noch Wahrnehmungen von hohem Plastizitätsgrad 
zeigt und dem Einheitstypus noch nahesteht; denn wegen der 
Kontinuität aller Entwicklungsvorgänge kann sich das später 
so entschiedene Übergewicht der Vorstellungsweit nur all¬ 
mählich ausbilden. In der Zeit, wo es sich ausbildet, und wo 
zugleich die Wahrnehmungen noch plastisch sind, wird die Vor¬ 
stellungswelt die Wahrnehmungswelt entscheidend beeinflussen 
und ihr in weitem Umfang ihre eigene Gesetzmäfsigkeit auf¬ 
prägen. Der Fall der angenäherten Gröfsenkonstanz mit geringer 
Neigung zur Abnahme wird also schliefslich, d. h. am Ende 
der Entwicklungsphase mit noch plastischen Wahrnehmungen, 
der durchaus überwiegende, wenn nicht gar allgemeine sein. Wir 
konnten aber für unsere Versuche nur Fälle brauchen, in denen 
dieses normale Endstadium noch nicht erreicht ist. Wir mufsten 
zu unseren Versuchen gerade Beobachter heranziehen, bei denen 
AB und Wahrnehmungsgegenstände bei zunehmender Entfernung 
noch wachsen. Denn änderten die Wahrnehmungsgegenstände 
ihre Gröfse nicht, zeigten sie vielmehr schon dasselbe Gröfsen- 
verhalten wie beim nichteidetischen Erwachsenen, so liefse sich 
auf diesem Wege die Plastizität der Wahrnehmungen nicht ex¬ 
perimentell ans Licht ziehen, selbst wenn sie noch vorhanden 
wäre. Die Gröfsenversuche würden eben bei solchen Jugend¬ 
lichen ganz so ausfallen, wrie bei nichteidetischen Erwachsenen, 
und gar nichts über den Zustand der Wahrnehmungen verraten. 
Gar manche Jugendliche, deren Wahrnehmungen bei Unter¬ 
suchung nach anderen Methoden noch einen hohen Plastizitäts¬ 
grad zeigen, können darum bei den vorstehenden Gröfsenver- 
suchen keine Verwendung finden. Bei manchen Jugendlichen 
mufs man sich bei diesen Versuchen auch auf die W ahl eines 
besonders einfachen Beobachtungsobjektes (homogenes I arben- 
quadrat) beschränken, da man in manchen lällen nur dann 
noch die oben beschriebenen Erscheinungen erhält, während 
komplizierte, der Erfahrung und Vorstellungstätigkeit mehr An¬ 
haltspunkte liefernde Wahrnehmungsgegenstände bereits das ab- 
schliefsende, normale Verhalten erkennen lassen, offenbar weil 
hier die Vorstellungen das Übergewicht, das sie allmählich 
gewinnen, schon stärker geltend machen, was noch nicht 
der Fall ist bei dem bedeutungs- und sinnlosen Gegenstand des
        

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