Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die räumlichen Wahrnehmungen der Jugendlichen in der eidetischen Entwicklungsphase [1. Teil: Über den scheinbaren Ort / 2. Teil: Über die scheinbare Größe / 3. Teil: Über die scheinbare Gestalt]
Person:
Freiling, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36084/44/
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H. Freiling. 
gut fixiertem Kopf durch ein Diaphragma, das nur die Fäden 
sehen läfst. 
Die Aufgabe besteht darin, die beiden Fadenreihen so ein¬ 
zustellen, dafs sie dem Beobachter parallel zu sein scheinen, also 
nach hinten weder konvergieren noch divergieren. Für die Breite 
der einzustellenden Fadenallee soll der Seitenabstand beim 6. Paare 
mafsgebend sein, der während der Versuche konstant bleibt. 
Die Einstellung wird nach Angabe der Vp. vom Versuchsleiter 
vorgenommen 5 sie beginnt beim 5. und schreitet zum 1. Paare 
fort. Die Instruktion fordert, dafs die Vp. bei den Einstellungen 
mit dem Blick dauernd an den Fadenreihen entlang wandert. 
Die bei dieser Verhaltungsweise vorgenommenen Einstellungen 
zeigten, wie beim Schienenstrangversuch, keine wesentlichen 
Unterschiede gegenüber den Vergleichseinstellungen erwachsener 
Nichteidetiker. Die Kurven sind gerade oder schwach konkav 
gegen die Medianebene gekrümmt.3 
Ganz anderen Charakter nahmen die Kurven bei vertiefter 
Betrachtung an. Der Versuch verläuft jetzt folgendermafsen. 
Zunächst wird die Fadenallee bei gewöhnlicher, ungezwungener 
Verhaltungsweise auf scheinbare Parallelität eingestellt. Als¬ 
dann wird die Vp. angewiesen, die eingestellte Allee ein¬ 
mal so zu betrachten, wie wenn von ihr ein Anschauungsbild 
gemacht werden sollte. Zu dem Behuf durchwandert der Beob¬ 
achter mit Blick und Aufmerksamkeit den von den beiden Faden 
reihen umschlossenen Kaum, und zwar erfolgen die Blickwande¬ 
rungen nicht nur in der Richtung der Medianebene, sondern 
auch in seitlicher Richtung, ganz wie bei genauer Einprägung 
eines AB. Schon nach kurzer Betrachtungszeit beginnt dann 
die (wirklich wahrgenommene) Allee sich zu verbreitern, indem 
die Fäden nach aulsen wandern und schliefslich einen festen 
Standort erreichen.1 2 Bei Herrn Sp., Erich Sch. und Ernst H. 
1 Dieses Ergebnis steht in bestem Einklang mit den von W. Blumenfeld 
gefundenen Resultaten beiVersuchen mit „Paralleleinstellungen“. W.Blumen- 
feld, Untersuchungen über die scheinbare Gröfse im Sehraume. Zeitschr. f. 
Psychol. 65). Bei diesen Paralleleinstellungen wird vorwiegend auf die 
Richtung der in die Tiefe gehenden Linien geachtet, im Gegensatz zur 
„Distanzeinstellung“, wo die Richtung der Tiefenlinien möglichst unberück¬ 
sichtigt bleibt, vielmehr der seitliche Abstand der Paare beachtet wild. Bei 
Blumenfeld waren die Kurven bei Paralleleinstellung gerade oder schwach 
konkav gegen die Medianebene gekrümmt. 
2 Den obigen Versuchen stehen die Versuche von Blumenfeld (a. a. 0.)
        

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