Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die räumlichen Wahrnehmungen der Jugendlichen in der eidetischen Entwicklungsphase [1. Teil: Über den scheinbaren Ort / 2. Teil: Über die scheinbare Größe / 3. Teil: Über die scheinbare Gestalt]
Person:
Freiling, H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36084/19/
Die räumlichen Wahrnehmungen der Jugendlichen usw. 
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Die A B dagegen, die in ihrem ganzen Verhalten eine 
Zwischenstellung einnehmen zwischen den N B und den reinen 
V B, entstehen durch ungezwungene und im allgemeinen etwas 
längere Betrachtung der Vorlage. Aber nicht nur hinsichtlich 
ihrer Erzeugung unterscheiden sich die verschiedenen GB von¬ 
einander, sondern auch durch die Gesetzmäfsigkeit ihres Ver¬ 
haltens, z. B. ihrer Gröfse. Die NB vergröfsern sich bei Pro¬ 
jektion auf einen Schirm, der nacheinander in verschiedene 
Entfernungen gebracht wird, nach dem sog. EMMERTschen Gesetz, 
d. h. sie wachsen in ihren linearen Dimensionen genau proportional 
mit der Entfernung. Die A B vergröfsern sich im allgemeinen 
ebenfalls mit wachsender Entfernung der Projektionsfläche vom 
Beobachter, jedoch nicht so stark wie die N B. Bei den reinen 
V B dagegen bleibt die Gröfse innerhalb gewisser Grenzen kon¬ 
stant oder nimmt in geringem Mafse ab. Nun konnte Krellen- 
berg zeigen, dafs Eidetiker, die noch dem sog. „Einheitstypus“ 
angehören, diesen Unterschied vermissen lassen. Das N B, wel¬ 
ches wir doch als eine Empfindung anzusprechen pflegen, gleicht 
hier in seinem ganzen Verhalten den AB. NegativeNB sind 
in diesen Fällen überhaupt nicht zu erzeugen. Sie treten erst 
auf, wenn dieses Entwicklungsstadium mit zunehmendem Alter 
überschritten ist, oder wenn die eidetische Anlage bei geeigneten 
Fällen vom T-Typus durch Kalkzufuhr in kurzer Zeit zurück- 
gedrängt werden kann. Auch die V B unterscheiden sich in 
diesen Fällen nicht von den AB; sie werden häufig ganz von 
selbst, und ohne dafs die Jugendlichen es hindern könnten, 
zu Gesichtserscheinungen, d. h. sie werden als AB in den 
Aufsenraum projiziert und folgen in ihrem quantitativen Ver¬ 
halten den für die A B charakteristischen Gesetzmäfsigkeiten, 
A B wiederum können hier gelegentlich mit wirklichen Wahr¬ 
nehmungen verwechselt werden. 
Aus solchen und ähnlichen Befunden ergibt sich mit grofser 
Wahrscheinlichkeit, dafs sich die Wahrnehmungen und Vor¬ 
stellungen aus einer ursprünglichen Einheit, dem A B, erst heraus¬ 
differenzieren. Dieser Prozefs findet sicher in vielen Fällen nach¬ 
weisbar erst im Laufe der individuellen Entwicklung statt. 
Damit wird aber auch verständlich, dafs die Wahrnehmungen 
einen mehr oder weniger hohen Grad von Verwandtschaft mit
        

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