Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Schluß von Gesetzesanalogien auf kausale Abhängigkeiten. (Methodologische Bemerkungen zur Lehre von den Farbenempfindungen und Gestaltwahrnehmungen, als Zusatz zu der Arbeit von Thea Cramer [, Zeitschr. f. Sinnesphysiol., 1923, Bd. 54, S. 215-242])
Person:
Jaensch, E. R.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36082/4/
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K. R. Jaemch. 
• • 
hafte“ Zusammenhang auf der Übereinstimmung rein formaler,, 
nämlich kombinatorischer Beziehungen beruht. Kombinatorische 
Prozesse gelangen in den chemischen Strukturformeln ebenso 
wie in der Invariantentheorie zur Verwendung, und darum 
müssen die Beziehungen der Kombinatorik in beiden Gebieten 
wiederkehren. Das Fehlen eines sachlichen Zusammenhangs 
geht schon daraus hervor, das sich nicht einmal für einfache 
Identitäten der Invarianten eine chemische Deutung geben läfst. 
3. Wenn nun auch — im Gegensatz hierzu -— die Struktur-; 
Übereinstimmung der Gesetze bei den Kontrast- und Trans¬ 
formationserscheinungen bis ins einzelste geht und schwerlich 
als eine rein formale zu deuten sein wird, so haben wir es 
uns doch von Anfang angelegen sein lassen, den schon durch 
die Strukturübereinstimmung der Gesetze nahegelegten Wesens¬ 
zusammenhang beider Gebiete noch durch eine andere, jedem 
Zweifel entrückte Beweisführung darzutun. Ein einwandfreier 
Nachweis für den Wesenszusammenhang zweier Erscheinungen 
ist erbracht, wenn sich zeigen läfst, dafs beide durch gleitende 
Übergänge miteinander verknüpft sind und durch kontinuierliche 
Abwandlung der Versuchsbedingungen ineinander überführt 
werden können. Darum habe ich sogleich im Beginn meiner 
Farbenuntersuchungen — erstmals in meinem Strafsburger 
Seminar (1912) — Versuche angestellt, bei denen der Eindruck 
eines Infeldes in farbigem Umfeld überführt wird in denjenigen 
eines Infeldes in farbig beleuchtetem Baum, so dafs also das¬ 
selbe Umfeld, welches vorher als Oberflächenfarbe gesehen 
wurde, nun als farbiges Zwischenmedium erscheint, und darum 
das eine Mal als „Kontrasterregens“, das andere Mal als ,,Trans¬ 
formationserreger“ zu bezeichnen wäre. Im 3. Kapitel der 
Arbeit von Th. Cramer („Phänomenologischer Nachweis der 
Übergangsfälle usw.“) sind diese Versuche wiedergegeben Und 
etwas weiter ausgebaut. Hier sollte nur auf ihre theoretische 
Bedeutung hingewiesen werden. Sie ergänzen unseren zunächst 
„nomologischen“, auf die Strukturvergleichung der Gesetze 
gegründeten Beweisgang durch den „phänomenologischen“, in- 
• • 
dem sie die Uberführbarkeit beider Erscheinungskreise ^ und 
damit ihren Wesenszusammenhang, auch für die unmittelbare 
Beobachtung aufzeigen.
        

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