Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimentelle Studien über die Attribute der Farben [I. Helligkeitsmessung / II. Systematik der Farbenhelligkeit und Farbenharmonie]
Person:
Matthaei, Rupprecht
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36066/51/
Experimentelle Studien über die Attribute der Farben I 
307 
von wertgleichem Rot und Blau wird das Blau unbedingt 
heller. Dabei ist besonders bemerkenswert, dafs das Blau des 
OsTWALDsehen Kreises noch einen natürlichen Schwarzgehalt1 
von 44 °/0, daher wenigstens um 25 °/0 mehr als das Rot besitzt. 
Trotzdem wird das Blau bei Nacht einem Grau gleichhell, 
das weifsreicher ist, als das bei Tage dem Rot hellgleiche. — 
Der Versuch einer physiologischen Deutung dieser Befunde ginge 
über den Plan der vorliegenden Untersuchung hinaus. Für die 
Attributbeschreibung ist indessen das wechselseitige Verhalten des 
Kurvenverlaufes der Tag- und Nachthelligkeiten aus einem 
anderen Grunde von besonderer Bedeutung. Die beiden Farben, 
welche auch bei Nacht ihre Helligkeit behalten, das Laubgrün 23 
und das Veil 10, liegen nämlich gerade an den beiden temperatur¬ 
indifferenten Punkten, die die Bereiche der warmen und kalten 
Farben im Kreise voneinander trennen. Es läfst sich dann fest¬ 
stellen, dafs alle warmen Farben gegen die Taghelligkeit dunkler 
werden, während alle kalten bei Nacht heller werden. Das ge¬ 
meinte Verhalten tritt besonders deutlich heraus, wenn man die 
graphische Darstellung auf die Tageswerte als Abszisse bezieht. 
Die Taghelligkeiten habe ich in Abb. 10 als Gerade gezeichnet 
und gegen sie die Differenzen der Nachthelligkeiten angetragen. 
Eine Kontrolle dieser Kurve (mithin der gemessenen Nachthellig¬ 
keiten) liefert ihre anschauliche Erlebbarkeit bei Betrachtung des 
Neutralen Farbenkreises im Dunkeln, die ich zu Beginn dieses 
Abschnittes beschrieben habe. Das Ergebnis des Vergleiches der 
Tag- und Nachthelligkeiten, das auf eine physiologische 
Fundierung der eigentümlichen Wärme und Kälte 
bestimmter Farben hin weist, ist, wie ich glaube, in der hier ge¬ 
gebenen Auswertung neu! Es liegt der Versuch nahe, auf Grund 
der Duplizitätstheorie den Grad der Beteiligung der Stäbchen 
schon beim Tagessehen mit der spezifischen Temperatur in Zu¬ 
sammenhang zu bringen. Hier möchte ich mich aber auf den 
Hinweis beschränken, da ich in einem besonderen Teile dieser 
Studien auf die angeschnittene Frage zurückzukommen be¬ 
absichtige. 
Beurteilung der orthochromatischen Photo¬ 
graphie. Die Kenntnis der Tag- und Nachthelligkeiten von 
einer Reihe wohl definierter möglichst reiner Farben legte mir 
1 s. S. 2873. 
Zeitschr. f. Sinnesphysiol. 59 
22
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.