Bauhaus-Universität Weimar

Weitere Untersuchungen über das Purkinjesche Phänomen 
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zunehmen, nämlich jene, die Farbe mit einem peripheren Netzhautteil, also 
mit der total farbenblinden Zone zu betrachten, v. Kries (14) hat nun fest¬ 
gestellt, dafs die Tagesperipheriewerte von den Dämmerungswerten voll¬ 
ständig verschieden sind; während beim Dämmerungssehen die hellste Stelle 
bei einem nur mäfsig Gelblich-Grün (Wellenlänge 536 gg) liegt, liegt sie 
beim Tagessehen, wenn die Farben durch stark exzentrische Beobachtung 
zum Verschwinden gebracht werden, etwa im reinen Gelb (Wellenlänge 
etwa 588 gg). Diese Tatsache der völligen Verschiedenheit von Tages¬ 
peripheriewerten und Dämmerungswerten legt nach v. Kries die Annahme 
nahe, dafs es sich um die Beteiligung zweier verschiedener Apparate (zweier 
Absorbenten von verschiedenem Absorptionsspektrum) handelt. Jedenfalls 
aber gehe aus ihr hervor, dafs eine Konstanz der Weifsvalenzen nicht 
vorhanden sei, und also diese Annahme der HERiNGschen Theorie unhalt¬ 
bar wäre. 
Diese Feststellungen, sowie die Ergebnisse am total Farbenblinden 
und am Hemeralopen, auf die ich hier nicht näher eingehen will, sowie 
schliefslich auch noch die histologische Anordnung der Stäbchen und Zapfen 
haben v. Kries (9) zur Aufstellung seiner Duplizitätstheorie geführt. Nach 
dieser Theorie sind 2 perzipierende Systeme vorhanden, die Zapfen (farben¬ 
tüchtig, wenig adaptationsfähig, Helligkeitsmaximum im prismatischen 
Spektrum im reinen Gelb) und die Stäbchen (total farbenblind, sehr 
adaptationsfähig, hellste Stelle im Gelblich-Grün). Die Zapfen bedingen 
das Tagessehen, die Stäbchen ermöglichen das Dämmerungssehen! Bei 
mittleren Beleuchtungen würden beide Apparate gleichzeitig funktionieren. 
Da die Fovea nun nur Zapfen besitzt, und die Zapfen die Farben 
sowohl farbig, als farblos mit gleicher Helligkeit perzipieren (wie die 
Helligkeitskurve der Peripheriewerte nach v. Kries beweist), mufs nach der 
Duplizitätstheorie das PuRKiNjESche Phänomen in der Fovea fehlen. Ob 
dagegen die Fovea einer Adaptation, resp. einer Erregbarkeitssteigerung 
fähig ist, darüber sagt die v. KRiESsche Duplizitätstheorie an sich zunächst 
nichts Prinzipielles aus. Bereits im Jahre 1896 hat v. Kries (15) die Fovea 
hinsichtlich des PuRKiNjESchen Phänomens untersucht, und das Fehlen des 
PurkinJESchen Phänomens in der Fovea festgestellt. Dafs dagegen auch 
dem Zapfenapparat ein gewisses Mafs von Adaptation zuzuschreiben ist, 
wurde durch v. Kries (16) mit Nachdruck hervorgehoben. 
Während also das PuRKiNjssche Phänomen nach der HERiNGschen 
Theorie in der Fovea gemäfs der Farbentüchtigkeit und Adaptationsfähigkeit 
dieses Netzhautbezirkes vorhanden sein mufs, mufs es nach der v. KRiESschen 
Duplizitätstheorie in der Fovea, weil diese keine Stäbchen besitzt, fehlen, 
und so ist dieses Phänomen zum Ausgangspunkt einer langen Reihe von 
Untersuchungen geworden. Während v. Kries und seine Anhänger das 
Fehlen des Purkinjsschen Phänomens in der Fovea auf das bestimmteste 
betonten, wurde von der anderen Seite ebenso entschieden ein \ orhanden- 
sein des PuRKiNjsschen Phänomens in der Fovea behauptet. Auf der einen 
Seite sind hier besonders v. Kries und Nagel (17 u. 18) zu nennen (das 
PuRKiNJESche Phänomen kann nach ihnen in einem zentralen auf 1,50 
Durchmesser zu veranschlagenden Bezirk selbst unter den günstigsten 
Bedingungen auf keine Weise hervorgerufen werden), auf der anderen
        

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