Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Abhängigkeit der Empfindungszeit und des zeitlichen Verlaufes der Gesichtsempfindung von der Intensität, Dauer und Geschwindigkeit der Belichtung
Person:
Fröhlich, Friedrich W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36044/4/
4 
Friedrich W. Fröhlich. 
findungszeit anzusehen ist. Je geringer die Lichtintensität ist, 
um so weiter ist der vordere Rand des dem bewegten Lichtspalt 
entsürechenden Lichtstreifens vom Rande des bchirmes entfernt, 
wenn beide Spalte gleichzeitig auftauchen. Bei Verwendung 
eines 1mm breiten und nur schwach beleuchteten Spaltes, der 
sich mit etwa 150 mm in der Sekunde bewegt, kann die Ver¬ 
schiebung beträchtliche Werte erreichen. 
Die Deutung der Beobachtung erscheint dadurch verwickelt, 
dafs bei Verwendung geringer Lichtintensitäten der bewegte 
Lichtstreifen im Moment seines Auftauchens durch ein dunkles 
Intervall von dem Rande des Schirmes getrennt ist. Es ist dies 
eine Schwierigkeit, auf welche mich verschiedene Beobachter 
aufmerksam gemacht haben. Es ist in der Tat nicht ohne 
weiteres zu verstehen, warum eine Stelle der Spaltbahn, welche 
der Spalt schon durchlaufen hat, im Moment des Auftauchens 
des Spaltes dunkel erscheint. Mir selbst hat anfänglich die 
Deutung dieser Beobachtung Schwierigkeiten bereitet. Doch ist 
folgendes in Erwägung zu ziehen. Bei genügender Helligkeit 
des Spaltes sieht man dem bewegten Lichtstreifen, den wir als 
Ausdruck der „primären Gesichtsempfindung“ ansehen müssen, 
die Nachbildphasen folgen, welche aber im Gegensatz zu dem 
Lichtstreifen, der innerhalb der Spaltbahn mit einem Schlage 
auf taucht, ihren Weg am Anfänge der Spaltbahn beginnen. Die 
dunkle Zone, welche den auftauchenden Lichtstreifen von dem 
Beginn der Spaltbahn trennt, ist zurückzuführen auf die dunkle 
Phase, welche die primäre Empfindung begrenzt und von dei 
folgenden positiven Nachbildphase abtrennt. Man könnte die 
fragliche dunkle Phase auch als eine Kontrastwirkung auffassen, 
welche vom Spalt ausgeht, da wir annehmen müssen, dafs der 
Kontrast enge mit den periodischen Vorgängen im Sehfeld ver¬ 
knüpft ist.1 Aber es ist leicht möglich zu zeigen, dafs auch 
eine Stelle der Spaltbahn, an welcher sich der Spalt gerade be¬ 
findet, dunkel erscheinen kann. Man braucht nur einen breiten 
Lichtspalt zu verwenden, um zu sehen, dafs innerhalb des breiten 
bewegten Lichtstreifens eine dunkle Phase auftritt, es ist das 
1 Friedrich W. Fröhlich, Zur Analyse des Licht- und Farbenkontrastes. 
Zeitschr. f. Sinnesphysiologie 52, 1921, S. »9. - Grundzüge einer Lehre vom 
Licht- und Farbensinn. Ein Beitrag zur allgemeinen Physiologie der Sinne 
Jena, Gustav Fischer. 1921.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.