Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Abhängigkeit der Empfindungszeit und des zeitlichen Verlaufes der Gesichtsempfindung von der Intensität, Dauer und Geschwindigkeit der Belichtung
Person:
Fröhlich, Friedrich W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36044/18/
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Friedrich W. Fröhlich. 
Verhalten, welches sich in der belebten Natur als allgemein ver¬ 
breitet erwiesen hat, auch die Vorgänge im Sehorgan beherrscht. 
Eine weitere Frage ist, wie die Verkürzung der E. Z. bei 
gröfserer Belichtungsintensität zustande kommt. Eine schnellere 
Übertragung einer stärkeren Erregung der Sinneszellen auf dem 
Wege der Nervenbahnen werden wir wohl nicht annehmen 
können. Die Geschwindigkeit des Nervenimpulses ist, wie die 
Mehrzahl der Autoren annimmt, von der Reizintensität unab¬ 
hängig, und dort, wo sich eine Abhängigkeit der Leitungsge¬ 
schwindigkeit von der Reizintensität gezeigt hat, sind die Werte 
viel zu gering, um die bedeutenden Unterschiede der E. Z. bei 
Verwendung verschieden starker Belichtungen zu erklären. Wir 
werden die kürzere E. Z. bei Anwendung gröfserer Belichtungs¬ 
intensität, daher in die Sinneszellen und in die nervösen Zentren 
der Sehfunktion verlegen müssen. 
Die Untersuchung der Aktionsströme der Cephalopodenaugen 
liefs in der Tat bei Anwendung gröfserer Belichtungsintensität 
ein früheres und steileres Ansteigen der Aktionsströme erkennen, 
aufserdem reagieren die Cephalopodenaugen auf den stärkeren 
Lichtreiz mit stärkeren und frequenteren Erregungsoszillationen, 
die bewirken dürften, dafs das Sehzentrum rascher auf den Reiz 
anspricht. Wir wissen durch zahlreiche Untersuchungen am 
Zentralnervensystem, dafs die Reflexzeit nicht nur von der In¬ 
tensität sondern auch der Frequenz der zugeleiteten Erregungs¬ 
wellen abhängig ist. Es wäre daher ohne weiteres verständlich, 
dafs das Sehzentrum auf die ihm zugeleiteten frequenteren Er¬ 
regungswellen rascher ausspricht. Auch werden wir weiter unten 
bei Besprechung des zeitlichen Verlaufes der Gesichtsempfindung 
hören, dafs das Sehorgan auf einen stärkeren Lichtreiz mit einem 
steileren Anstieg des Empfindungsvorganges reagiert und dafs 
einem steileren Ansteigen des Empfindungsvorganges auch eine 
kürzere E. Z. entspricht. Es würden demnach alle Momente 
dafür sprechen, dafs an der kürzeren E. Z. bei Anwendung 
starker Lichtreize in erster Linie das stärkere und raschere An¬ 
klingen der Erregung in den Sinneszellen und ein schnelleres 
Ansprechen des Sehzentrums beteiligt sind. 
Wenn wir das Ergebnis unserer ausgedehnten 
und unter den verschiedensten Umständen immer 
wiederholten Versuche über die Abhängigkeit der 
E. Z. von der B e 1 i c h t u n g s i n t e n s i t ä t zusammen-
        

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