Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tastversuche mit dem elektrosmotisch gänzlich anästhesierten Finger
Person:
Hausmann, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36028/12/
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Theodor Hausmann 
Haut, auf dem Muskelboden des großen Kaumuskels (M. masseter) 
quer über die Backengegend hinweg verläuft, sehr gut als zünd¬ 
holzdicker, runder, derber Strang getastet werden kann. Zu diesem 
Zweck lassen wir die Zähne zusammenbeißen, wobei der M. masseter 
sich anspannt. Auf dem oberen Teile des vorderen, stufenförmig 
nach vorn abfallenden, dicken und harten Randes des Muskels 
führen wir dann mit den Fingerkuppen unterhalb des Os zygo- 
maticus Gleitbewegungen von unten nach oben und von oben 
nach unten, auf und ab, aus. Dabei fühlen die Finger den duc¬ 
tus stenonianus, als runden Strang. Noch besser aber gelingt 
das Tasten desselben, wenn wir nicht mit den Fingerbeeren 
tasten, sondern mit dem aufgesetzten Nagelrande. Meine Zuhörer 
in Karlsbad haben das gleich an sich selbst bestätigen können. 
Es erweist sich, daß der ductus stenonianus ein ausgezeich¬ 
netes Testobjekt für Tastversuche ist. Denn fast jeder Mensch 
kann ihn an sich selbst und bei anderen tasten. Nur allzufette 
oder ödematöse Backen verhindern das Tasten dieses Gebildes. 
Dieser Umstand erübrigt es für entsprechende Tastprobleme künst¬ 
liche, experimentelle Versuchsanordnungen zu treffen. 
Es lag die Aufgabe vor, zu entscheiden, ob der ductus 
stenonianus auch mit der Fingerkuppe oder mit dem Nagelrand 
des völlig anästhesierten Fingers getastet werden kann. 
Es erwies sich, daß die Vp. mit der Kuppe der anästhesierten 
Fingers den ductus stenonianus als zündholzdicken Strang sehr 
wohl fühlte, wenn der Finger vorschriftsmäßig über denselben 
hinwegglitt. Somit war es klar, daß bei diesem Tasterlebnis die 
Fingerspitzen, d. h. taktile Empfindungsqualitäten keine Rolle 
spielen konnten. Es bleibt die Vibrationsempfindung und die 
endokinetische Empfindung. 
Was die Vibrationsempfindung anlangt, so sind die vorbei¬ 
gleitenden Flächen so glatt und geschmeidig, daß Geräusche und 
Reibungen, die Vibrationen auslösen, nicht entstehen können, 
wenigstens dann nicht, wenn das Vorbeigleiten nicht zu rasch und 
ohne starken Druck erfolgt. Wenn das Vorbeigleiten bei stärkerem 
Druck und sehr rasch erfolgt, hört man ein leises Knipsen, derart, 
daß hierbei Vibrationen wohl ausgelöst werden könnten. Doch 
für gewöhnlich geht der Vorgang ganz lautlos vor sich, so daß 
für Vibrationen keine Geräusche als Substrat vorhanden sind. Es 
ist auch nicht zu verstehen, wie die Vibrationsempfindung den
        

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