Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Beiträge zur Psychophysik der Farbenempfindungen: I. Die nutritive Minderstellung der PIII-Substanz; II. Zur Frage des fovealen Purkinjeschen Phänomens; III. Das Dämmerungsblau / IV. Erklärung der Erscheinungen eines mit konstanter Geschwindigkeit bewegten Lichtstreifens, insbesondere auch des Pihl-Fröhlichschen Phänomens / V. Über die Sättigung der Spektralfarben / VI. Piérons Versuche über die Entwicklung des Chroma
Person:
Müller, Georg Elias
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36024/83/
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Georg Elias Müller 
sich darbietende Streifenbild in allen seinen Teilen die gleiche 
Helligkeit besitze. 
3. Eine Erhöhung der Helligkeit des Lichtspaltes 
macht sich bei sonst gleich bleibenden Umständen im Sinne einer 
Verkürzung der Breite des auf tauchenden Lichtstreifens geltend. 
Daß, wie die Beobachtungen gezeigt haben, der vordere, ansteigende 
Helligkeit zeigende Teil des Lichtstreifens bei zunehmender Licht¬ 
stärke des Spaltes sich verkürzt, ist nach allem, was wir über die 
Abhängigkeit der Steilheit des Erregungsanstieges von der Reiz¬ 
starke wissen, selbstverständlich. Was den hinteren Streifenteil 
anbelangt, so ist zu beachten, daß die mehr nach vorn gelegenen 
Partien des von dem Lichtspalt erregten Teiles der physiologischen 
Spaltbahn auf die mehr nach hinten gelegenen Partien S-Induk- 
tionen ausüben, die zur Folge haben, daß in späten Abstiegs¬ 
stadien der Erregung befindliche Elemente der physiologischen 
Bahn, die bei Fehlen dieser rückläufigen S-Induktionen im hinteren 
Teile des auftauch enden Streifens vertreten sein würden, in diesen 
tatsächlich nicht vertreten sind. Die rückläufigen S-Induktionen 
machen sich selbstverständlich nicht bloß im Sinne einer Latenz 
des in seine Bahn einrückenden Lichtspaltes, sondern auch im 
weiteren Ablauf des Lichtstreifens geltend. Je größer nun die 
Helligkeit des Lichtspaltes ist, desto stärker sind auch jene rück¬ 
läufigen S-Induktionen, die im Sinne einer Verkürzung des hinteren 
Teiles des auftauchenden Lichtstreifens wirken. 
4. Sieht man von dem in dieser Abhandlung ganz außer Acht 
zu lassenden kritischen Stadium ab, so ist kurz zu sagen, daß 
die Dunkeladaptation dazu dient, die Breite des auf¬ 
tauchenden Lichtstreifens etwas zu vergrößern (Fröhlich, S. 81). 
Dies erklärt sich hinlänglich aus dem längeren metaphotischen 
Nachdauern der Stäbchenerregüngen. Denn je länger das Nach¬ 
dauern der Erregungen ist, desto breiter kann der schlagartig und 
mit dem Eindrücke der Gleichzeitigkeit aller seiner Bestandteile 
auftauchende Lichtstreifen sein. 
5. Wird die Breite des Lichtspaltes, also die Belich¬ 
tungsdauer, von einem minimalen Werte ausgehend vergrößert, 
so nimmt die Breite des Lichtstreifens zunächst bis zu einem ge¬ 
wissen Werte ab, um jenseits dieses Wertes eine deutliche Zu¬ 
nahme zu erfahren (Fröhlich, S. 188). Dies erklären wir mit 
Fröhlich folgendermaßen. Bei geringen Werten der Spaltbreite 
macht sich eine Vergrößerung derselben wesentlich als eine Steige-
        

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