Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Beiträge zur Psychophysik der Farbenempfindungen: I. Die nutritive Minderstellung der PIII-Substanz; II. Zur Frage des fovealen Purkinjeschen Phänomens; III. Das Dämmerungsblau / IV. Erklärung der Erscheinungen eines mit konstanter Geschwindigkeit bewegten Lichtstreifens, insbesondere auch des Pihl-Fröhlichschen Phänomens / V. Über die Sättigung der Spektralfarben / VI. Piérons Versuche über die Entwicklung des Chroma
Person:
Müller, Georg Elias
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36024/77/
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Georg Elias Müller 
nur zu beobachten ist, wenn man den Spaltrand und seine Um¬ 
gebung nicht beachtet, ihn zu übersehen vermag. 
Wie oben (S. 177) erwähnt, erblickte bei den hier in Rede 
stehenden Versuchen von Rubin die Vp. S. in der Spaltbahn in 
Anschluß an das anfängliche Rot statt des objektiv vorhandenen 
Grün eine breite weiße Linie, deren Weißlichkeit auf der Wirksam¬ 
keit der von dem anfänglichen Rot ausgegangenen vorwärtsläufigen 
gegenfarbigen Induktionen beruhte. Die Vp. H. und R. dagegen 
sahen, soweit bei ihnen die auftauchende Linie die links rote und 
rechts grüne Grenzlinie war, neben dem anfänglichen Rot un¬ 
mittelbar Grün. Wie ist das zu erklären? Offenbar daraus, daß 
bei diesen beiden Vpn. der Schirmrand den größeren Teil des 
anfänglichen Rot nicht bloß für die Empfindung unterdrückte, 
sondern auch mit den ihm entsprechenden vorwärtsläufigen G- 
Induktionen nicht zur Geltung kommen ließ. Kamen diese In¬ 
duktionen in Wegfall, so mußte das Grün deutlich neben der 
roten Endlinie auftreten. Diese durch den Schirmrand bewirkte 
Unterdrückung der von den anfänglichen Spaltbildern ausgehenden 
vorwärtsläufigen Induktionen soll in nachstehender, etwas weit 
ausholender Auseinandersetzung als eine nach unserem gegen¬ 
wärtigen Wissen zu erwartende Erscheinung dargelegt werden. 
Die Hauptfrage ist hier: Findet die durch den Schirmrand 
bewirkte Ausschaltung der den anfänglichen Spaltbildern ent¬ 
sprechenden Eindrücke hinter der Kontrastzone oder früher statt ? 
Ist das erstere der Fall, so können sich die diesen Eindrücken 
zugehörigen vorwärtsläufigen Induktionen für den weiteren Verlauf 
der Spaltbildwahrnehmung geltend machen, obwohl diese Ein¬ 
drücke selbst keine Empfindungen auslösen. Im gegenteiligen 
Falle kommen jene Induktionen ganz in Wegfall. 
Wie ich in meiner Abhandlung „Komplextheorie und Gestalt¬ 
theorie“ (Göttingen, 1923), S. 24 ff. an der Hand von Beobachtungs¬ 
tatsachen näher gezeigt habe, hat die Kontur folgende Wirkungen.1 
Sie verleiht den Erregungen, die von den ihr angrenzenden Teilen 
des Sehfeldes ausgehen, ein stärkeres Vermögen bis zur Sphäre 
des Bewußtwerdens durchzudringen und sich dem verdrängenden 
Einflüsse anderer Erregungen gegenüber zu behaupten. Die letztere 
1 Die Art und Weise des Zustandekommens dieser Wirkungen muß 
liier dahingestellt bleiben. Es muß uns hier genügen, daß diese eigentüm¬ 
lichen Wirkungen als tatsächlich bestehend nachgewiesen sind.
        

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