Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Beiträge zur Psychophysik der Farbenempfindungen: I. Die nutritive Minderstellung der PIII-Substanz; II. Zur Frage des fovealen Purkinjeschen Phänomens; III. Das Dämmerungsblau / IV. Erklärung der Erscheinungen eines mit konstanter Geschwindigkeit bewegten Lichtstreifens, insbesondere auch des Pihl-Fröhlichschen Phänomens / V. Über die Sättigung der Spektralfarben / VI. Piérons Versuche über die Entwicklung des Chroma
Person:
Müller, Georg Elias
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36024/75/
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Georg Elias Müller 
schnellen des Sehdinges an den Rand ausgeglichen“ (Volk, S. 79). 
Es ist klar, daß die vordere Umbiegung der Linie durch eine ab¬ 
stoßende Wirkung des Kartonrandes bedingt ist. 
Wenzel und Volk reden bei Formulierung ihrer Haupt¬ 
resultate nur von einer die Bildung einer benachbarten neuen 
Kontur erschwerenden Wirksamkeit einer gegebenen Kontur, nicht 
auch von einer abstoßenden Wirksamkeit. Wird aber z. B. ein 
Schirmrand einer ruhenden Figur, etwa einem ruhenden Kreise, 
genähert, so könnten durch eine die Konturbildung erschwerende 
Wirksamkeit des Schirmrandes nur die Zeiten beeinflußt werden, 
welche die verschiedenen Teile der Figur brauchen, um sich 
deutlich darzustellen. Aber eine Verschiebung der Orte der ver¬ 
schiedenen Figurenteile wäre ausgeschlossen. Wenn andererseits 
bei der Annäherung einer Figur an einen Schirmrand die Wande¬ 
rung des Wahrnehmungsbildes verlangsamt ist, und zwar um so 
mehr, je mehr sich die Figur dem Rande nähert, so läßt sich 
dies nicht bloß mit Volk (S. 84) in der Weise erklären, daß man 
sagt, die Bildung der Konturen der Figur sei um so mehr er¬ 
schwert, je mehr sie sich dem Rande nähere, sondern man kann 
auch geltend machen, die abstoßende und daher die Annäherung 
der Figur verlangsamende Kraft des Schirmrandes sei selbstver 
ständlich um so stärker, je näher die Figur bereits herange¬ 
kommen sei. 
Tritt eine Figur unter einem Schirmrand hervor, so läßt unter 
geeigneten Umständen die Bewegung der Figur in der Vp. ganz 
von selbst den Eindruck entstehen, daß die Figur von dem Rande 
abgestoßen werde. So teilt Volk (S. 71) mit, daß, als er durch 
geeignete rasche Bewegungen bewdrkt habe, daß der obere Teil 
des Kreises abwechselnd unter dem Kartonrande verschwand und 
wieder hervorkam, zu beobachten gewesen sei, „wie die Kreislinie 
vom Rande abgestoßen werde“. 
Wir können das Vorstehende kurz in folgender Weise zu¬ 
sammenfassen. Eine gegebene Kontur wdrkt dem Einflüsse eines 
Reizes, der darauf gerichtet ist, an einem ihr benachbarten Orte 
ein neues Sehding entstehen zu lassen, entgegen und zwar um so 
mehr, je näher zu ihr dieser Ort liegt. Bei hinlänglich kurzer 
Einwirkungszeit des Reizes kann daher das neue Sehding gar 
nicht auftreten oder nur durch ein verschwommenes Phänomen 
ersetzt werden. Kommt es in der Nähe der gegebenen Kontur 
zur Bildung eines neuen Sehdinges, so kann dieses durch die ab-
        

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