Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Beiträge zur Psychophysik der Farbenempfindungen: I. Die nutritive Minderstellung der PIII-Substanz; II. Zur Frage des fovealen Purkinjeschen Phänomens; III. Das Dämmerungsblau / IV. Erklärung der Erscheinungen eines mit konstanter Geschwindigkeit bewegten Lichtstreifens, insbesondere auch des Pihl-Fröhlichschen Phänomens / V. Über die Sättigung der Spektralfarben / VI. Piérons Versuche über die Entwicklung des Chroma
Person:
Müller, Georg Elias
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36024/26/
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Georg Elias Müller 
Falls also ein Untersucher bei Benutzung eines halb roten 
halb blauen Feldes, dessen Netzhautbild hinter der geringsten der 
bisher seitens der Histologen angegebenen Größen des stäbchen- 
freien Gebietes erheblich zurücksteht, an einem Beobachter fest¬ 
stellen sollte, daß für dieses Feld das foveale P-Ph. besteht, so würde 
hierin ein Beweis dafür, daß dieses Phänomen auch bei bloßer 
Inanspruchnahme des Zapfenapparates auftreten kann, so lange 
nicht zu erblicken sein, als der Nachweis fehlt, daß der Beobachter 
nicht dem anomalen fovealen Typus angehört. Und andererseits 
dürfte es nicht angehen, einen Beobachter, der angibt auch bei 
rein fovealer Wahrnehmung des P-Ph. zu konstatieren, ohne weiteres 
als ein Individuum zu verdächtigen, das nicht ordentlich fixiert 
habe. Die Stäbchenhaltigkeit der Fovea braucht nicht in allen 
Fällen so ausgeprägt zu sein, wie bei derVp. B von Abney und 
Watson. 
Nach den vorstehenden Ausführungen ist zu sagen, daß ein 
ganz einwandfreier Nachweis dafür, daß das P-Ph. auch für einen 
ganz stäbchenfreien Netzhautbezirk gilt, zur Zeit nicht vorliegt. 
Ein solcher Nachweis würde gegeben sein, wenn sich die Angabe 
von v. Hess, daß sich das P-Ph. auch für die stäbchenlosen Schild¬ 
kröten nachweisen lasse, bewahrheiten sollte. Nähere Mitteilungen 
über die dieser Angabe von v. Hess zugrunde liegenden Versuche 
habe ich in seinen Veröffentlichungen nirgends finden können. 
Und mehr wie diese nicht näher belegte Angabe von v. Hess 
dürfte die Feststellung von Dieter1 ins Gewicht fallen, daß bei 
der angeborenen stationären totalen Homeralogie, wo sich der 
Dämmerungsapparat völlig vermissen läßt, auch das P-Ph., selbst 
bei großem Felde, völlig fehlt. 
III. Über die Versuche, welche der Annahme eines 
fovealen PüEKiNJEschen Phänomens ungünstig sind. 
Wenden wir uns nun zu den Versuchen, deren Resultate an¬ 
scheinend die Annahme eines fovealen P-Ph. ausschließen, so ist 
in Beziehung auf dieselben zweierlei zu bemerken. Erstens dies, 
daß hier nicht die Frage war, ob das P-Ph. sich foveal ebenso 
leicht erzeugen lasse wie extrafoveal, sondern es sich darum 
handelte, ob das P-Ph. mit dem stäbchenfreien Netzhautbezirke 
sich überhaupt, wenn auch nur mit minimaler Deutlichkeit, er¬ 
halten lasse. Man mußte also bei anfänglich negativen Resultaten 
1 W. Dieter, Pflügers Arch. 222, S. 581 ff. (1929).
        

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