Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Beiträge zur Psychophysik der Farbenempfindungen: I. Die nutritive Minderstellung der PIII-Substanz; II. Zur Frage des fovealen Purkinjeschen Phänomens; III. Das Dämmerungsblau / IV. Erklärung der Erscheinungen eines mit konstanter Geschwindigkeit bewegten Lichtstreifens, insbesondere auch des Pihl-Fröhlichschen Phänomens / V. Über die Sättigung der Spektralfarben / VI. Piérons Versuche über die Entwicklung des Chroma
Person:
Müller, Georg Elias
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36024/144/
Kleine Beiträge zur Psychophysik der Farbenempfindung 
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Prozessen in nutritiver Hinsicht gegenüber den achromatischen 
Prozessen zukommt, schneller, als bei entsprechendem Verfahren 
mit rein weißem Licht das entsprechende Wiederabsinken des 
Helligkeitseindruckes stattfindet. Die Zeitdauer der chromatischen 
Lichtaussendung des Hauptfeldes, bei welcher die Farbe dieses 
Feldes derjenigen des eine völlig gleiche physikalische Beschaffen¬ 
heit besitzenden, aber relativ andauernd ein wirkenden Vergleichs¬ 
feldes völlig gleich erscheint, bei welcher also kurz gesagt die 
scheinbare Gleichheit von Momenteindruck und Dauereindruck 
erreicht war, erwies sich als kürzer wie diejenige Zeitdauer jener 
chromatischen Lichtausstrahlurg, bei welcher das Chroma des 
Hauptfeldes sein Maximum erreichte. Es wuchs also der chro¬ 
matische Eindruck des Momentreizes über denjenigen des Dauer¬ 
reizes hinaus.1 
2. Die Entwicklung des Chroma auf einem Grunde von kon¬ 
stanter Helligkeit vollzieht sich für Rot schneller als für Grün 
und für dieses schneller als für Blau. 
Daß die von rotem, grünem, blauem Lichte erweckten Er¬ 
regungen hinsichtlich ihrer Anstiegsgeschwindigkeiten in den hier 
angegebenen Richtungen voneinander abweichen, ist schon früher 
(vgl. G. E. Müller, I, S. 402 f.), vor allem auch von Kleitmann 
und Pieron, festgestellt worden. Aber bei diesen früheren Ver¬ 
suchen kamen die farbigen Lichter mit ihren verschiedenen Wei߬ 
valenzen zur Geltung, und es drängt sich die Frage auf, ob die 
festgestellten Verschiedenheiten der chromatischen Anstiegsge¬ 
schwindigkeiten sich in ähnlicher Weise auch dann finden, wenn 
zwischen den Weißvalenzen der benutzten Farben keine Diffe¬ 
renzen bestehen, insbesondere auch die Blauerregung von einer 
gleichstarken Weißerregung begleitet ist wie die anderen chro¬ 
matischen Erregungen. Die hier in Rede stehenden Versuche von 
Piéron beantworten diese Frage in bejahendem Sinne. 
3. Wird die Helligkeit des Grundes, auf dem sich die chro¬ 
matische Reizung entwickelt, bei gleichbleibender Stärke der chro¬ 
matischen Reizung erhöht, so nimmt die Geschwindigkeit der 
Entwicklung der chromatischen Erregung in zuerst erheblichem, 
später aber schwächerem Grade zu, die zur Erreichung des Maxi- 
1 Natürlich hat die von dem Dauerreize erweckte Erregung kurz nach 
ihrer Entstehung das von der Momenterregung erreichte Maximum gleich¬ 
falls durchlaufen. Man vergleiche die von mir früher (III, S. 173 f.) hier- 
über gegebenen Ausführungen. 
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