Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über rhythmische optische Erscheinungen und ihre individuellen Eigentümlichkeiten
Person:
Schaefer, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36019/36/
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Hans Schaefer 
Frage stehenden Vorgänge dem Bewußtsein selbst liegen. Die 
schnellsten Umschläge wären vom Wettstreit der Sehfelder zu er¬ 
warten, da retinale Impulse, ehe es zur gestaltmäßigen Ver¬ 
arbeitung kommt, bereits vom Rhythmus ergriffen werden. Diese 
Annahme trifft auch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle 
zu. Die Würfelversuche entstammen demnach einer unter dem 
Bewußtsein gelegenen Mittelstation. 
Daß bei Ermüdung der Wechsel stets rascher werdend, 
schließlich in eine Fusion beider Auffassungsmöglichkeiten über¬ 
geht, entspräche gleichfalls dieser Annahme. Der Wechsel gleitet 
eben in stets bewußtseinsfernere Zentren hinab, bis er schließlich 
von reziproken Innervationen nicht mehr beeinflußt wird. 
Inwieweit die Nachbildsch-wankungen hier abweichen müssen, 
ist schon gesagt: sie sind in diesem Zusammenhang ebenso nur 
vorhandene und nicht vorhandene (ausgelöschte) Prozesse wie die 
Nachbilder vorhanden und nicht vorhanden sind. Es ist also 
eine Hemmung eines fließenden Energiestromes anzunehmen, an 
dessen Stelle zu treten nichts anderes da ist; eine Hemmung, 
welche in gleicher Weise regulatorisch gedacht ist, wie alle anderen 
auch : nur daß sie dem Gebiet kortikaler Aufmerksamkeitsimpulse 
angehört, deren Bereich von den rein zentripetalen Bahnen der 
anderen Schwankungserscheinungen nicht berührt werden wird. 
Die Sprache der „Gestaltpsychologie“ betrachtet diese Dinge 
(Eichlee, Matthaei x) als das Spiel zweier Gestalterlebnisse mit¬ 
einander und fügt sich dieser rein mechanisch gedachten Auf¬ 
fassung ebenso ein wie die nur psychologisch behandelten Theorien 
über die Wechselwirkung kortikaler Auffassungen, die McDougall 
bereits unübertrefflich schildert. Beide schließen die Lehrmeinung 
der schulmäßigen experimentellen Psychologie nicht aus, die die 
Vorgänge des Bewußtseins vom Erlebnis selbst her analysiert. 
Denn eben jene Erlebnisse sind uns ja zunächst Leiter auf dem 
Weg zu dieser Verallgemeinerung gewesen. Welches im letzten 
Grund die Triebfeder dieser reziproken Innervation ist, das wissen 
wir natürlich nicht. Die Regulationseinrichtungen bereits ein¬ 
zelliger Lebewesen sind jedenfalls nicht weniger verwickelt und 
„autonom“, wie es scheint, als diese wunderbaren Regulationen 
unseres so komplex gestalteten Erkenntnisorgans. Wir stehen 
überall vor dem gleichen Rätsel. Die Arbeit dieser Vorgänge als 
1 Eichleb, a. a. O.; Matthaei, a. a. O.
        

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