Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über rhythmische optische Erscheinungen und ihre individuellen Eigentümlichkeiten
Person:
Schaefer, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36019/35/
Rhythm, optische Erscheinungen und ihre individuellen Eigentümlichkeiten 35 
Regulationsstationen besitzt, in deren eigentümlichem Ban sich 
die beobachteten Vorgänge begründen. Allein es leuchtet ein, 
daß an dieser Grenze der philosophisch-naturwissenschaftlichen 
Betrachtung das gleiche Ding bald von der einen, bald von der 
anderen Seite gesehen werden mag. Was dem Psychologen „Auf¬ 
merksamkeit“ und charakterologische „Eigenschaft“ bedeutet, ist 
dem Physiologen noch Innervation, vielleicht noch Reflex. Nicht 
nur die niederen Nervenstationen des Körpers arbeiten mit Re¬ 
aktionsweisen, die dem Bewußtsein unergründlich sind, die, soweit 
sie mit den hier untersuchten Schwankungen in Beziehung ge¬ 
setzt werden können, als reziproke Innervation beschrieben 
werden. Die zentralste aller Innervationen, eben das Bewußtsein 
selbst, schöpft seine „psychische Energie“, 
deren es ja, wie alle anderen neurologi¬ 
schen Vorgänge, bedarf, aus dem großen 
Erregungsnetz des kortikalen Nerven¬ 
systems. In diesem wird, ganz wTie in 
subkortikalen Zonen eine gegenseitige Be¬ 
ziehung der Teile miteinander bestehen, 
welche das Spiel des Bewußtseins selbst, 
seine Labilität und seine Vorstellungs¬ 
wechsel, zum Teil mitbedingt; eine Be¬ 
ziehung, die den Zweck haben wird, ein¬ 
seitige Erregungsprozesse aufzulösen und 
die man daher mit gutem Recht als rezi¬ 
proke Hemmung (McDougall) oder als ~ “—- 
reziproke Innervation bezeichnen kann. des roten Quadrats 
• • 
Uber den Ort, an dem sich diese Vorgänge im Gehirn ab¬ 
spielen, ist es müßig, Vermutungen anzustellen. Eher schon geht 
es an, eine Stufenleiter von Stationen anzunehmen und von höher 
und tiefer gelegenen Schwankungen zu reden. Man könnte da¬ 
bei von der Annahme ausgehen, daß die mit großer psychischer 
Anstrengung begleiteten Umschläge zugleich die bewußtseins¬ 
nächsten sind; vom Versuch mit dem plastischen Würfel kann 
man behaupten, daß er dieser Bedingung entspricht : bei ihm ge¬ 
winnen sicher Vorstellungsinhalte den größten Einfluß. Da diese 
Versuche durchweg zugleich den langsamsten Rhythmus auf¬ 
weisen, wäre also der Schluß gegeben, daß der Rhythmus der 
reziproken Hemmung um so langsamer abläuft, je näher die in 
3*
        

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