Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über rhythmische optische Erscheinungen und ihre individuellen Eigentümlichkeiten
Person:
Schaefer, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36019/20/
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Hans Schaefer 
Dennoch gibt es darüber hinaus Eigentümlichkeiten im Ver¬ 
halten einiger Vp. gegenüber Nachbildern, die von solch aus¬ 
gesprochener Dominanz sind, daß sie von einigen Autoren zur 
Charakterisierung des eidetischen Typs vornehmlich herangezogerf 
wurden.1 
Im Gegensatz hierzu steht eine zweite Gruppe von Menschen: 
es stellt sich nämlich heraus, daß einige Personen auf Nachbilder 
kaum (d. h. nur sehr kurze Zeit lang) ansprechbar sind, daß bei 
ihnen ein erzeugtes Nachbild ein- bis zweimal auf taucht und 
dann dauernd verschwindet, solange der Adaptationszustand des 
Auges nicht verändert wird. 
Eigentümlicherweise ist auch bei diesen Personen die rein 
periphere Nacherregung normal lang und dauerhaft; sie können 
also mit Veränderung der Allgemeinbelichtung ein jedes Nach¬ 
bild nach noch so langer Zeit wie jede andere Vp., wieder zum 
Vorschein bringen. Es bleibt also hier nur zweierlei zur Er¬ 
klärung, wenn man die Anschauungen Ebbeckes hier zugrunde 
legen will: bei diesen unempfindlichen Typen tritt entweder die 
zentrale Adaptation sehr schnell ein — oder ihre Fähigkeit, Nach¬ 
bilder überhaupt wahrzunehmen, ist wenig ausgesprochen. Sie 
sehen dann das Nachbild auch dann nicht, wenn es zentral-nervös 
nicht adaptiert wurde. Ob und was die letzte Möglichkeit zu be¬ 
deuten hätte, davon wird später die Rede sein. 
Demgegenüber sieht der Eidetiker Nachbilder abnorm lang 
und mit gesteigerter Deutlichkeit. Er grenzt damit an das durch¬ 
schnittliche Verhalten aller Kinder. 
Es gibt ferner Personen, bei denen ein eigentlich inter¬ 
mittierendes Nachbild nicht zustande kommt, bei denen nach 
relativ langer Sichtbarkeit das Nachbild langsam, ohne zu 
schwanken, verblaßt. 
Es gibt Personen, die zwar kurze, doch deutliche Kurven 
von intermittierend sichtbaren und verschwindenden Nachbildern 
erzeugen; es gibt endlich Personen, die lange und doch sehr 
regelmäßig intermittierende Nachbildkurven zeigen. Im ersten 
Fall ist die Zeit bis zum Eintritt der Adaptation eine kurze, im 
letzten Fall eine längere und kann in das eidetische Verhalten 
überleiten. 
1 W. Jaensch, Grundzüge einer Physiologie und Klinik der psycho¬ 
physischen Persönlichkeit. Berlin 1926. — W. Jaensch, Z. Neur. 59, 104 
(1920). — W. Jaensch, Z. Neur. 97, 374 (1925).
        

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