Bauhaus-Universität Weimar

Physiologische Fehlerquellen der Auslöschphotometrie 
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Sämtliche Beobachtungen wurden einäugig (mit dem linken, 
emmetropischen Auge) ausgeführt. Der Blick war stets 10—15° 
nach rechts oben gerichtet. Das Ergebnis der in Tab. 1 ent¬ 
haltenen und in Abb. 1 graphisch dargestellten Beobachtungen 
läfst sich dahin zusammenfassen, dafs eine halbstündige Dunkel¬ 
adaptation des Auges unerläfslich ist. 
Wie einige günstig verlaufene Kontrollversuche zeigten, läfst 
sich die Adaptation an völlige Dunkelheit auf 10 Minuten be¬ 
schränken, w^enn das zur Beobachtung bestimmte Auge zuvor 
eine halbe Stunde verdeckt und ws 
das andere Auge nur gedämpf¬ 
tem Licht ausgesetzt wird. Was 
die Farbe der an der Sichtbar¬ 
keitsgrenze befindlichen Sterne 
angeht, so fand ich — insbe¬ 
sondere bei Mondschein und am 
Ende einer Beobachtungsreihe — 
den Hinweis von J. v. Keies1 be¬ 
stätigt, dafs viele Beobachter „die 
mit dunkel adaptiertem Auge wahrgenommenen, lichtsehwachen 
Objekte direkt für leicht bläulich“ erklären. Die an der Reiz¬ 
schwelle gesehenen weifsen, gelben und roten Sterne unterscheiden 
sich nicht im Aussehen. An der Schwelle nehme ich stets den¬ 
selben blaugrauen, verwaschenen Fleck wahr. Das schmutzige, 
matte Grau tritt bereits auf, wenn die Sterne noch um einige 
Zehntel Gröfsenklassen überschwellig sind. 
Wegen der örtlichen Unterschiede der Empfindlichkeit der 
Netzhaut2 mufs der Beobachter die Blickrichtung möglichst 
konstant halten. Im allgemeinen wird diejenige Blickrichtung 
bevorzugt, die das Objekt auf die empfindlichste Netzhautstelle 
fallen läfst. Für den Verfasser ist das die obere, nasale Netz- 
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21 Z7 33 Min. 
Abb. 1 
Abhängigkeit der Sichtbarkeitsgrenze 
von der Dunkeladaptation des Auges 
andere Beanspruchung des Auges auf seine äufsersten Grenzleistungen zu 
verwerfen. Was hier als Sichtbarkeitsgrenze bezeichnet wird, deckt sich 
mit der klassischen, von J. v. Kries gegebenen Definition der Reizschwelle 
als derjenigen Intensität, „welche das auf sie gelangende Licht besitzen 
mufs, um eben noch gesehen, d. h. von der Abwesenheit des Lichtes unter¬ 
schieden zu werden“. J. v. Kries, Pflügers Arch. Sppl.-Bd. 1882, S. 278. 
1 J. v. Keies, Nagels Hdbch. der Physiol., Braunschweig 1904, Bd. IIIr 
1. Hälfte, S. 188. 
2 H. v. Helmholtz, Handbuch der physiologischen Optik, 3. Aufl. Bd 2„ 
S. 278 (1911).
        

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