Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die psycho-physischen Konstanten und Variablen des Temperatursinnes [I. Die Konstanz der Empfindlichkeit der Temperaturnerven / II. Die Umstimmung der Erregbarkeit der Temperaturnerven]
Person:
Hahn, Helmut
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36006/7/
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Helmut Hahn 
düngen. Die Genauigkeit des Verfahrens hängt offenbar von 
der Sicherheit ab, mit der der Temperatursinn Empfindungen 
zu unterscheiden erlaubt. Ferner müssen die besonderen Gesetz- 
mäfsigkeiten der Unterschiedsempfindlichkeit des Temperatur¬ 
sinnes bekannt sein, die den Verlauf der Untersuchungen be¬ 
einflussen könnten. 
Von diesen hat besonders die von Fechner aufgeworfene 
Frage der Gültigkeit des WEBERschen Gesetzes für den Temperatur¬ 
sinn zahlreiche Untersucher1 auf den Plan gerufen. Da es in¬ 
dessen infolge des bisher ungenügenden Einblickes in das Wesen 
der Adaptation keinem unter ihnen geglückt ist, dieEmpfind- 
1 ichkeit und entsprechend die Unterschiedsempfindlich¬ 
keit des Temperatursinnes getrennt von der Adaptation 
zu untersuchen, dürften die vorliegenden Ergebnisse einer 
strengeren Kritik kaum standhalten. Schon die weit auseinander¬ 
gehenden Angaben der früheren Untersucher, die zwischen einigen 
hundertstel Graden und mehreren ganzen Graden Unterscheidungs¬ 
vermögen schwanken, machten uns eine erneute Prüfung dieses 
Gegenstandes unabweisbar. 
Methode 
Angaben über die Unterschiedsempfindlichkeit von Sinnes¬ 
nerven können natürlich nur dann Anspruch auf allgemeine 
Gültigkeit erheben, wenn die Erregbarkeit der beteiligten 
Nerven gegenüber den jeweils gebotenen Reizstärken eine kon¬ 
stante Gröfse darstellt und nicht nur ein Situationsergebnis ist. 
Letzteres ist offenbar der Fall innerhalb des Zustandes, den wir 
als Adaptationsbreite charakterisiert haben, da ja in ihm die 
Erregbarkeit der Temperaturnerven gegen denselben Reiz aus¬ 
giebigen Umstimmungen unterworfen ist. Aufserhalb der Adapta¬ 
tionsbreite steht aber die gesuchte Konstanz der Empfindlich¬ 
keit zur Verfügung und damit derjenige Zustand, in dem das 
Verhältnis von Reizstärke zur Erregungstärke stets und unter 
allen Umständen das gleiche ist, die Unterschiedsempfindlichkeit 
also den gesuchten immer gültigen Wert haben mufs. 
Um an konstant erregbaren Temperaturnerven zu arbeiten, 
ist es also nötig, die zu unterscheidenden Temperaturreize so zu 
wählen, dafs sie aufserhalb der jeweils vorhandenen Adaptations- 
1 Literatur s. E. Gkrtz, Z. Sinnesphysiol. 52, 1 (1921).
        

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