Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die psycho-physischen Konstanten und Variablen des Temperatursinnes [I. Die Konstanz der Empfindlichkeit der Temperaturnerven / II. Die Umstimmung der Erregbarkeit der Temperaturnerven]
Person:
Hahn, Helmut
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36006/66/
Psycho-physische Konstanten u. Variablen des Temperatursinnes. II 227 
Reizwirkung entfalten könnten. Bei Adaptationsbreiten zwischen 0,5 und 
3° würden sich die Empfindungen bei einer Aufsenveränderung von 20° 
um nicht weniger als 5, 1 bis 9,3° unterscheiden! 
Der Weg zu einer unmittelbaren Messung der gesuchten 
Mindestgeschwindigkeit hat sich uns erst durch einen Zufall er¬ 
öffnet. Die einzigen Untersucher nämlich, die sich vor uns mit 
der Bedeutung von Mindestgeschwindigkeiten im Bereich des 
Temperatursinnes überhaupt messend befafst haben, sind dabei 
zu Ergebnissen gelangt, deren Gröfsenordnung bemerkenswerter¬ 
weise mit den unseren übereinstimmt. Die mindeste Ge¬ 
schwindigkeit, die eine Temperaturveränderung der Hautoberfläche 
zum Zustandekommen einer Temperaturempfindung auf weisen 
mufs, ist von Gertz (a. a. O.) mit 0,150 in der Minute für die Kälte¬ 
nerven, 0,2—0,250 für die Wärmenerven ; von Kuller (a. a. O.) mit 
0,0035—0,0053° in 2 Sekunden, also in der Minute gröfser als 
0,105—0,159°, für beide Temperaturnervenarten gefunden worden, 
während unsere Werte zwischen 0,264—1,08° i. d. Min. liegen. 
Diese uns ganz unerwartet gekommene Übereinstimmung der 
Ergebnisse ist deshalb so auffallend, weil die von Gertz und 
Kuller beschriften en Wege nicht das geringste mit den unseren 
gemeinsam haben, ihr Ziel sogar dem unseren eigentlich wider¬ 
spricht. Denn bei ihnen wurden die Bedingungen für das Zu¬ 
standekommen einer minimalen, bei uns für die Beendigung 
einer maximalen Temperaturempfindung untersucht. Soll die 
auffallende Übereinstimmung der Ergebnisse trotzdem mehr als 
ein schwer verständlicher Zufall sein, so kann sie sich offenbar 
nicht auf die Stärke der Nervenerregungen beziehen, sondern 
nur auf die Bedingungen, unter denen ein Erregungszuwachs 
der Nerven überhaupt zustandekommt. Dieser Erregungszuwachs 
kann aber bei den Untersuchungen von Gertz und Kuller zu 
einer nur minimalen Empfindung führen, weil beide Untersucher 
an absolut adaptierten Hautgebieten arbeiten, ihre Reiztempe¬ 
raturen mithin in die Adaptationsbreite fallen, während bei 
unseren Versuchen die am tiefsten liegenden Temperaturnerven¬ 
enden zum Zeitpunkt ihres Erregungszuwachses noch keinen 
Adaptationseinflüssen ausgesetzt sind. Da ja der abstimmende 
Einflufs der Adaptationsbreite mit der Adaptationszeit anwächst 
(s. S. 191), so mufs offenbar mit absinkender Geschwindigkeit der 
Temperaturveränderung einmal ein Zeitpunkt eintreten, in dem die 
weitere Temperaturveränderung bereits in die Adaptationsbreite
        

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