Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die psycho-physischen Konstanten und Variablen des Temperatursinnes [I. Die Konstanz der Empfindlichkeit der Temperaturnerven / II. Die Umstimmung der Erregbarkeit der Temperaturnerven]
Person:
Hahn, Helmut
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36006/53/
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Helmut Hahn 
stand ihrer konstanten Empfindlichkeit befunden haben mufs, ist nach 
den Kurven nicht zu bezweifeln, da ihre Reizdauer ja immer nur wenige 
Sekunden währte, wonach ihr zur vollkommenen Wiederanstimmung stets 
mindestens 6 Minuten zur Verfügung standen. 
c) Ergänzende Beobachtungen 
1. Von den möglichen Kombinationen der Aufeinanderfolge 
verschieden starker gleichsinniger Temperaturreize hatten wir uns 
bisher stets nur mit einer Reihenfolge beschäftigt, bei der der 
stärkere Reiz auf den schwächeren unmittelbar folgte, wobei nach 
dem Gesetz der konstanten Summe die Temperaturnerven 
gegenüber dem stärkeren Reiz überhaupt nicht abgestimmt werden. 
Wir hatten ferner gesehen, dafs bei der Wiederholung gleich¬ 
starker Temperaturreize die Reizstärke als solche keinen er¬ 
heblicheren Einflufs auf den Anstimmungsverlauf ausübt. Um 
so ausgiebiger und nachhaltiger ist dagegen der Einflufs des 
stärkeren Temperaturreizes auf die Erregbarkeit der Nerven 
gegen den nachfolgenden schwächeren Reiz, in einem 
Ausmafs, der unsere Absicht auf genauere Messungen bald zu¬ 
nichte machte und uns zur Beschränkung auf nur oberflächlich 
orientierende Angaben veranlafste. 
Bei diesen Versuchen wurde Hahns Versuchshand nach den üblichen 
Vorbereitungen beispielsweise 1 Minute lang auf 19° abgekühlt und dann 
zur Wiederanstimmung auf 38° erwärmt. Jm gewählten Augenblick des 
Vergleiches wurde sie nun aber nicht wieder auf 19°, sondern auf eine 
schwächere Reiztemperatur von 26° zur Vergleichsreizung abgekühlt. Zur 
Prüfung ihres Anstimmungszustandes begnügten wir uns dabei, die auf 
38 erwärmte Vergleichshand gleichzeitig mit einem Kältereiz zu erregen, 
dessen Temperatur um (umgerechnet) 1° höher lag als der schwächere 
Kältereiz der Versuchshand, so dafs also im Zustand konstanter Empfindlich¬ 
keit die Kälteempfindung an der Versuchshand mindestens merklich hätte 
überwiegen müssen. In unserem Beispiel dauerte es nun nicht weniger als 
12 Minuten, bis die Kälteempfindung an der Versuchshand in Wasser von 
26° deutlich stärker als an der Vergleichshand in Wasser von 27° (um¬ 
gerechnet, tatsächlich 24,8°) ausfiel. Zur genauen Bestimmung des Zeit¬ 
punktes der vollständigen Wiederanstimmung der Versuchshand bis zu 
ihrer konstanten Empfindlichkeit gegenüber dem Kältereiz von 26° hätten 
wir in diesem Beispiel also mit Versuchsserien rechnen müssen, bei denen 
jeder Versuch erheblich mehr als 12 Minuten beansprucht hätte, da nach 
12 Minuten die Anstimmung der Versuchshand sich ja nur auf ca. 1/i—1 Grad 
ihrer konstanten Empfindlichkeit angenähert hat. Bei einem gleichen Bei¬ 
spiel, nach einer stärkeren Kältereizung von aber 3 Minuten in Wasser 
von 19°, dauerte die Wiederanstimmung bis auf einen Grad gegenüber 26° 
über 20 Minuten. Nach einer stärkeren Wärmereizung von 38° und
        

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