Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die psycho-physischen Konstanten und Variablen des Temperatursinnes [I. Die Konstanz der Empfindlichkeit der Temperaturnerven / II. Die Umstimmung der Erregbarkeit der Temperaturnerven]
Person:
Hahn, Helmut
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36006/3/
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Helmut Hahn 
lieh oberflächlichen Hantlage bereits binnen weniger Sekunden 
und darunter die Temperatur des Reizobjektes. 
3. Bis zum Eintritt des Empfindungsmaximums wird die 
Stärke einer Temperaturempfindung aufser von der Temperatur 
des Reizobjekts ausschliefslich von der Empf indlieh keit der 
beteiligten Temperaturnerven bestimmt. 
4. Die Empfindlichkeit der Temperaturnerven ist eine absolut 
konstante. 
5. Die Endorgane der Temperaturnerven sind von der Blut¬ 
temperatur praktisch isoliert. 
Diese Sätze enthalten zwar zunächst nichts, was dem Tem¬ 
peratursinn eine Sonderstellung unter den Sinnen zuzuweisen 
geeignet wäre. Es entspricht durchaus den Erfahrungen an den 
höheren Sinnen, dafs die Erregung ihrer Nerven der tatsächlichen 
konstanten Stärke ihrer Reize entspricht, dafs ihre Reizbarkeit 
in gewissen Grenzen konstant ist, dafs die auf die Aufsenwelt 
gerichteten Sinnesempfindungen möglichst wenig durch endogene 
Vorgänge beeinträchtigt werden. Höchst wichtig aber und reiz¬ 
physiologisch äufserst bemerkenswert werden diese Sätze erst im 
Hinblick auf die Adaptation. Unter dem Einflufs der Adaptation 
verlieren die Sätze nämlich sofort ihre Gültigkeit bis zur Un¬ 
kenntlichkeit, woraus sich erklärt, dafs sich die ihnen zugrunde¬ 
liegenden an sich sehr einfachen Tatsachen bisher vollkommen 
dem Nachweis entzogen hatten. 
Unter Adaptation des Temperatursinnes versteht 
man gemeinhin die Erfahrung, dafs die Temperaturempfindungen 
nach einer begrenzten Zeit wieder zu erlöschen pflegen, ohne dafs 
diesem Erlöschen eine Veränderung der Reiztemperaturen ent¬ 
spricht. Es läfst sich auf Grund der angeführten Sätze nun 
leicht zeigen, dafs unter der Einwirkung eines Temperaturreizes 
die Erregbarkeit der Temperaturnerven gegen den betreffenden 
adaptierenden Reiz sinkt. Es erfolgt eine Umstimmung der 
Temperaturnerven, wie sie bisher einzig Hering richtig als Ur¬ 
sache der Adaptationserscheinungen erkannt hat. 
Für unsere Darstellung der Adaptation als Ergebnis genauer 
Messung der Umstimmung der Temperaturnerven kommt nun 
alles darauf an, den Begriff der Adaptation auf das 
schärfste von dem Begriff der Empfindlichkeit der 
Temperaturnerven zu trennen. Aus diesem Grunde haben 
die eingangs entwickelten Sätze eine so besondere Bedeutung,
        

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