Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die von Chr. Ladd Franklin aufgestellte Theorie der Farbenempfindungen
Person:
Müller, G. E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36000/18/
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Müller, Die von Chr. Ladd Franklin aufgestellte Theorie usw. 
Z. Sinnesphysiol. 49 (1916) eine Abhandlung von Strohal er¬ 
schienen, welche über „Versuche zum Nachweis des Antagonis¬ 
mus von Netzhauterregungen“ berichtet. Man kann von einer 
Theorie der Farbenempfindungen erwarten, dafs sie zu den 
Resultaten dieser Versuche Stellung nehme. Ich habe mich 
• * 
ferner in meiner Abhandlung „Uber den Einflufs des Weifs¬ 
gehaltes des Infeldes und des Umfeldes auf die dem Infelde 
entsprechenden Erregungen“ [Z. Psychol., 97, (1925) und 98 (1926)] 
bemüht, ein sehr reiches, interessantes Tatsachenmaterial zu er¬ 
klären, welches den Einflufs des weifsen Lichtes auf die Erfolge 
gleichzeitiger oder nachfolgender farbiger Reize betrifft. Wenn 
F. sich in der gleichen Richtung bemühen wollte, würde sie bald 
erkennen, wie ärmlich und unzulänglich ihre Theorie (ganz ab¬ 
gesehen von ihrer im vorstehenden dargetanen Unhaltbarkeit) 
ist, und wie es überhaupt unmöglich ist, von einem so dürftigen 
Standpunkte aus den komplizierten Erscheinungen dieses Gebietes 
gerecht zu werden. Auch noch mancherlei andere Tatsachen¬ 
komplexe, so z. B. der Komplex von Gesetzmäfsigkeiten, welche 
die Versuche von Wirth, Iuhasz, Gellhorn u. a. hinsichtlich 
der Latenzzeit und der Dauer der gegenfarbigen Nachbilder und 
hinsichtlich der sog. Nachbild werte ergeben haben, müfsten jeden, 
der eine Theorie der Farbenempfindungen vertritt, dazu veran¬ 
lassen, die Tauglichkeit seiner Theorie an ihnen zu erproben. 
Aber allen diesen Tatsachenkomplexen gegenüber schweigt und 
versagt die genetische Theorie von F. Obwohl letztere gemäfs 
ihren eifrigen Bemühungen auf diesem Wissensgebiete über die 
dasselbe betreffenden, neueren Forschungsergebnisse reichlich 
orientiert sein dürfte, so ist doch zu sagen, dafs ihre Theorie sich 
noch immer in den engen Gedankenkreisen und Tatsachenkennt¬ 
nissen etwa des Jahres 1892 bewegt. So kommt es z. B. auch, 
dafs sie von der Gelbblaublindheit gar keine Notiz nimmt, 
obwohl in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Fälle von Gelb¬ 
blaublindheit, insbesondere von Tritanopie veröffentlicht worden 
sind. In jenen Jahren war allerdings von Gelbblaublindheit noch 
kaum die Rede.
        

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