Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die scheinbare Größe der Sehdinge
Person:
Mayer-Hillebrand, Franziska
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35996/7/
Die scheinbare Größe der Sehdinge 
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also nicht die scheinbare Größengleichheit ihrer Abstände, wie 
dies Hillebrand als selbstverständlich vorausgesetzt hatte.* 1 Bei 
den Parallelreihen werden die in die Tiefe verlaufenden Linien 
in bezug auf ihre Richtung beurteilt. Die Reihen sollen als 
parallele, symmetrische Gerade erscheinen, also weder konvergieren 
noch divergieren. Die Beobachtung erfolgt mit an den Reihen 
entlang wanderndem Blick bei möglichst ungezwungenem Ver¬ 
halten. Die so eingestellten Parallelreihen sind entweder gerade 
oder gegen die Mediane schwach konkav gekrümmt wie die Allee¬ 
kurven Hillebrands, die auf Grund ganz ähnlicher Instruk¬ 
tionen, entweder bei wanderndem Blick oder bei Fixation eines 
in der Mitte des fernsten Fadenpaares befindlichen Zeichens ge¬ 
wonnen waren. Bei den Distanzreihen dagegen kommt es wesent¬ 
lich auf die Gleichheit der queren Abstände an; „der laterale 
Abstand der Flämmchen jedes Paares wird für sich unter mög¬ 
lichst genauer Tiefenlokalisation erfaßt und mit dem des Standard¬ 
paares (des fernsten Flämmchenpaares) verglichen“. Diese Distanz¬ 
kurven sind zur Mediane konvex gekrümmt. Bl. beobachtete 
ferner, daß die konkave Krümmung in die konvexe Umschlagen 
kann, wenn bei Paralleleinstellung die Querabstände beachtet 
werden und umgekehrt bei Distanzeinstellung die konvexe 
Krümmung sich in Konkavität verwandeln kann, „wenn die Be¬ 
achtung der Lateralstrecken von der Tendenz verdrängt wird, die 
Parallelität der Tiefenlinien stärker hervortreten zu lassen“. 
Die bisher angeführten Beobachtungen lassen sich unter dem 
Ausdruck „relative Größenkonstanz der Sehdinge“ zusammen¬ 
fassen: ein Objekt, dessen Gesichtswinkel infolge der Annäherung 
an die Augen stark vergrößert bzw. infolge der Entfernung stark 
verkleinert wird, erscheint immer noch ungefähr gleich groß. Es 
gibt aber noch andere Erscheinungen, die hier zur Sprache 
kommen müssen. Ist der Blick in die Nähe aus irgendeinem 
Grunde erschwert (Presbyopie, Augenmuskelparese, Atropin¬ 
vergiftung) oder verschiebt man ein Objekt über den Nahepunkt 
weg gegen das Auge zu, so daß eine abnorm verstärkte Innerva¬ 
tion nötig ist, um es scharf zu sehen, so tritt sog. Mikropsie ein, 
das Objekt erscheint abnorm klein. Eine abnorme Vergrößerung 
der Gegenstände, die sog. Makropsie zeigt sich, wenn die Ein- 
der scheinbaren Größe bei binokularem Sehen. Denkschriften d. math.- 
naturw. Kl. d. Akad. Wien LXNII, S. 9f. u. S. 14 f. (1903)]. 
1 Vgi. S. 271 dieser Abhandlung.
        

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