Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die scheinbare Größe der Sehdinge
Person:
Mayer-Hillebrand, Franziska
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35996/17/
Die scheinbare Größe der Sehdinge 
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erübrigt es sich einzugehen, da es sich auf die ganz unhaltbare 
Annahme von der „Adäquatheit der Sehrichtungen“ stützt. Eine 
eingehende Kritik findet sich bei Blumenfeld, der dartut, daß 
Poppelbeutebs Formel auch im einzelnen versagt.* 1 
Da weder physikalisch noch physiologisch begründete Er- 
• klärungen zu einer befriedigenden Lösung des Problems führten, 
hat man sich nach anderen Wegen umgesehen und geglaubt, 
psychologische Faktoren zur Erklärung der paradoxen Erscheinungen 
in Anspruch nehmen zu müssen. 
Schon Fechneb berief sich auf die „Erziehung durch Er- 
fahrungen 2, um die Unabhängigkeit der scheinbaren Größe vom 
Gesichtswinkel zu erklären und in demselben Sinne muß wohl 
die Erklärung aufgefaßt werden, die Hebing für die Beobachtung 
gibt, daß die Hand bei einer Entfernung von 8" ebenso groß er¬ 
scheint, wie bei doppelter oder dreifacher Entfernung. „Meine 
Aufmerksamkeit sammelt sich in diesem Versuche bei der Hand, 
auf welcher die Kernstelle meines Sehraumes liegt, und da mir die 
Größe der Hand aus langer Erfahrung bekannt ist, so behält sie 
in beiden Entfernungen dieselbe Sehgröße und wird deshalb bei 
8" Entfernung ebensowohl wie bei 16" oder 24" der Maßstab des 
jeweiligen Sehraumes, d. i. der Vergrößerung des gesamten Netz- 
hautbildes.“ 
Allerdings läßt sich diese Auffassung nicht gut in das Ge¬ 
samtsystem Herings einordnen, weil gerade dieser Forscher sonst 
von der „Erfahrung“ im Sinne eines das Urteil bestimmenden 
Wissens einen äußerst spärlichen Gebrauch zu machen pflegt und 
Helmholtz gegenüber immer wieder den physiologischen Stand¬ 
punkt festhält. Anders verhält es sich, wenn Hering von „Ge¬ 
dächtnisfarben“ und „empirischen Lokalisationsmotiven“ spricht, 
wo die Erfahrung zur assoziativen Hervorrufung primär ent¬ 
standener Empfindungen dient und durch diese Empfindungen 
unter Umständen auch Vorstellungen von Empfindungscharakter 
überwunden werden können. Im Falle des Gleichgroßsehens eines 
in verschiedenen Abständen sich befindlichen Objektes müßte da- 
Z. Psychol. 54, S. 311 ff. (1910) und: Beiträge zur Raumpsychologie. Ebenda 
58, S. 200ff. (1911). 
1 W. Blumenfeld, Untersuchungen über die scheinbare Größe im Seh¬ 
raume. Psychol. 65, S. 262 ff. 
G. Th. Fechner, Elemente der Psychophysik. 2. Bd., S. 311 ff., 1860. 
Zeitschr. f. SiimesphysioL 61 20
        

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