Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die scheinbare Größe der Sehdinge
Person:
Mayer-Hillebrand, Franziska
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35996/12/
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Franziska Mayer-Hillebrand 
W. Heineich führt die Akkommodation für die Peripherie 
auf Abflachung der Linse zurück ; daher müsse die Akkom¬ 
modationsbreite für periphere Objekte um so größer sein, je 
kleiner der Krümmungsradius der Linse ist. Dieser ist aber um 
so kleiner, je näher sich der Fixationspunkt befindet und so er¬ 
kläre sich die Paradoxie des AüBEET-FoEESTEEschen Phänomens, 
d. h. daß nahegelegene kleine Objekte unter einem größeren 
Winkel erkannt werden als ferne große.1 Mit dieser Theorie hat 
sich Jaensch eingehend beschäftigt und ihre Unannehmbarkeit 
dargetan. Sie hat nämlich zur Voraussetzung, daß das im Auge 
entworfene Bild bei Einstellung der Akkommodation auf eine der 
beiden Brennlinien die größtmögliche Schärfe besitze2 3; diese Vor¬ 
aussetzung ist aber unrichtig, wie C. v. Hess 3 gezeigt hat. 
Die mit der Akkommodation verbundene Änderung des 
Pupillendurchmessers hat man ebenfalls zur Erklärung des 
A.-F.-Phänomens heranzuziehen versucht. Da die Pupille bei der 
Akkommodation für die Nähe sich verengert, werde die Bild¬ 
schärfe ähnlich wie beim Verkleinern der Blende des photo¬ 
graphischen Apparates erhöht. Es handelt sich aber nicht so sehr 
darum, die Bildschärfe zu erklären, wenn sie auch in der Tat 
gleichzeitig erhöht wird, als vielmehr den größeren Umfang des 
Gesichtsfeldes und dieser müßte bei kleinerem Pupillendurch¬ 
messer eher zu- als abnehmen. 
Die Pupillenerweiterung kann auch keinen bemerkenswerten 
Einfluß auf die Strahlenbrechung der seitlich gelegenen Objekte 
haben, weil sonst diese Objekte in Zerstreuungskreisen erscheinen 
müßten, was nicht der Fall ist. Ferner wurde behauptet, daß 
die Verminderung der Sehschärfe durch die Herabsetzung der 
Helligkeit des Netzhautbildes zu erklären sei, die proportional 
dem Quadrate der Entfernung abnimmt.4 Aber man kann durch 
1 W. Heinrich, Die Aufmerksamkeit und die Funktion der Sinnesorgane. 
Z. Psychol. 9, S. 352 ff. u. 11, S. 410ff. (1896). 
2 E. R. Jaensch, Zur Analyse d. Gesichtswahrnehmungen. Z. Psychol. 
Ergzbd. 4, S. 11 u. 36 ff. (1909). 
3 C. v. Hess, Arbeiten aus dem Gebiete der Akkommodationslehre. II. 
Arch. Ophth. 42 (1896). 
4 H. Klien, Über die psychisch bedingten Einengungen des Gesichts¬ 
feldes. Arch. f. Psychiatr. 42, S. 404 ff. (1907). — J. Weidlich, Über quanti¬ 
tative Beziehungen zwischen den Pupillenweiten, den Akkommodations¬ 
leistungen usw. Arch. Augenheilk. 57, S. 201 ff. (1907).
        

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