Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der rhythmische Wechsel in der Auffassung räumlich-zweideutiger geometrischer Figuren (Zugleich ein Beitrag zur Frage nach der physischen Grundlage eines Erlebnisses)
Person:
Eichler, Walter
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35991/32/
Rhythm. 1Ï echsel in der Auffassung räumlich-zweideutig er geom. Figuren ^$5 
Die Verschiedenheit der beiden Grenzzustände eines so¬ 
matischen Feldes kann noch viel durchgreifender sein, der 
Übergang von einer Phase in die andere noch viel schroffer 
als im beschriebenen Modell, eine spiegelbildliche Gleichheit der 
beiden Zustandsphasen ist also keinesfalls Voraussetzung für ein 
schwingfähiges System. Hier spielt der Begriff der Schwelle 
eine Polle, ein Begriff, den auch die Physik kennt, sei es im 
Zusammenhang mit der Passivität (H202-Katalyse) oder als 
Minimalfrequenz im photochemischen und photoelektrischen Effekt. 
Im organischen System ist ferner die Struktur, sowohl die mikro¬ 
skopische wie die Ultrastruktur von ausschlaggebender Bedeutung. 
Abb. 4 
Damit ist die endgültige Beschreibung desjenigen somatischen 
Feldes gegeben, dessen periodisch-stationärer Zustand das rhyth¬ 
misch alternierende Erlebnis fundieren kann, und zwar derart, 
daß die Tönung des Erlebnisses sprunghaft sich ändert (Um¬ 
schlag), die Deutlichkeit dagegen kontinuierlich. Der Tönungs- 
v echsel erfolgt in dem Augenblicke, indem das Svstem seine 
Ruhelage in der einen oder anderen Richtung überschreitet 
und sich dem einen oder anderen nicht spiegelbildlich gleichen 
Grenzzustande nähert. Bis zur Rückkehr wird die Tönung be¬ 
stehen bleiben, um beim Passieren der Ruhelage in der anderen 
Richtung umzuschlagen usf. Da ferner die Deutlichkeit des Er¬ 
lebnisses nicht maximal ist im Augenblick des Umschlags, sondern 
später (s. Abb. 4), ist offenbar nicht die absolute Geschwindigkeit 
des Prozesses — sie wäre maximal im Augenblick des Umschlags 
(im mechanischen Modell) — sondern die Beschleunigung 
maßgebend für den Grad der Deutlichkeit des Erlebnisses; die 
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