Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Fähigkeit zur Schallokalisation in ihrer Bedingtheit durch die Schallqualitäten und die Gestalt der Ohrmuschel
Person:
Brunzlow
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35984/23/
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Brunzlow. 
man ein Ohr zuhält: Dämpfung!) und man wird erkennen, dafs 
er mit wachsender Entfernung nicht nur an Stärke verliert, 
sondern auch seine Klangfarbe oder besser seine Qualität ändert. 
Oder man beobachte das Geräusch eines neben uns her fahrenden 
Wagens, indem man abwechselnd das eine und das andere Ohr 
verschliefst: dasselbe Phänomen. In diesen Beobachtungen wird 
das Klangbild jedesmal durch Dämpfung beeinflufst (auch 
wachsende Entfernung dämpft zunehmend), und je stärker die 
Dämpfung, desto deutlicher wird — innerhalb gewisser Grenzen — 
jeder Wechsel. 
Hieraus ergab sich eine weitere Versuchsaul gäbe. 
Y. Versuchsreihe: Die Beurteilung der Schallqualitäten in 
ihrer Abhängigkeit von der Stellung der Schallquelle zum Ohre. 
Es galt also, die Beziehungen klarzulegen, welche zwischen 
den wahrgenommenen Schallqualitäten d. h. dem scheinbaren 
Charakter der klanglichen Zusammensetzung eines Schalles und 
der Stellung der Schallquelle zum Ohre bestehen. Ich vermeide 
in folgendem den Ausdruck „Klangfarbe“ und setze dafür 
„Qualität“ oder „Charakter“, weil der Begriff „Klangfarbe“ vor¬ 
nehmlich im musikalischen Sinne gebraucht zu werden pflegt, 
während wir mit geräuschartigen Reizen arbeiteten, die zwar 
auf eine gewisse Tonhöhe abgestimmt werden konnten, aber doch 
keinen eigentlich musikalischen Klang besafsen; wir wählten 
solche Reize, weil auch im täglichen Leben zumeist Geräusche 
als richtunggegeben empfunden werden, und weil es bei ihnen 
am leichtesten ist, wechselnden Charakter wahrzunehmen. 
Zunächst sei über einen (zufälligen) Vorversuch berichtet. 
Wir beobachteten von dem Garten, in dem wir experimentierten, 
aus die Musik einer jenseits des Hauses konzertierenden Militär¬ 
kapelle. Dabei gelang es nun allen mit einigem musikalischen 
Gehör begabten Teilnehmern der Versuche, den Unterschied in 
der Klangzusammensetzung zu erkennen, w7enn man bei Ver- 
schlufs des einen Ohres sich im Kreise drehte, also das hörende 
Ohr der Musik bald zu-, bald abkehrte. Bei letzterer Stellung 
verschwanden mehr und mehr die Bässe, und damit zugleich 
erschien die Musik ferner. Diese Beobachtung ist ja wohl be¬ 
kannt und sogar schon musikalisch-szenisch verwertet worden, 
aber sie erschien mir in diesem Zusammenhänge richtungweisend.
        

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