Bauhaus-Universität Weimar

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F. Kiesow. 
Tastpanktes gelegen ist, so kann ich ihn versichern, dafs eine 
solche Empfindung bei Ponzos Versuchen gar nicht in Frage 
kommt. Sollte er aber der Ansicht sein, dafs wir nicht genügend 
auf die Ausschaltung von charakteristischen Druck- oder (besser) 
Tastempfindungen bedacht gewesen seien, so mufs ich ihn auf 
Ponzos ausführliche Darstellung verweisen, wo er über diese Frage 
hinreichende Aufklärung erhalten wird. Wer unsere Beobach¬ 
tungen gewissenhaft nachprüft, wird sich von der Richtigkeit 
von Ponzos Angaben überzeugen. Dabei ist nicht aus dem 
Auge zu verlieren, dafs alle unsere Prüfungen bei maximaler 
Einstellung der Aufmerksamkeit auf den zu erwartenden schmerz¬ 
haften Eindruck ausgeführt wurden. Nur solche Eindrücke sind 
lokalisiert worden. 
Was die Ausführungen von Frl. Mayer1 betrifft, so erlaube 
ich mir zunächst nochmals die Bemerkung, dafs Dr. Ponzo nie 
und nirgends von „Berührungsempfindungen“ spricht. — Wie 
es nach der Verf. möglich sein soll, dafs durch ein seelisches 
Verschmelzungsprodukt, in welchem die Schmerzempfindung 
derart dominiert, dafs die „Druckempfindung“ von der 
letzteren gewissermafsen überschluckt wird, ein Lokalisations¬ 
effekt erzielt werden kann, für den die nicht zum Bewufstsein 
kommende Komponente das entscheidende Moment abgibt, ist 
nicht gut zu begreifen. — In bezug auf die Entscheidung, welche 
die Verf. für die Beantwortung der Frage nach der verschieden¬ 
artigen Lokalisation der Tast- und Schmerzempfindungen für 
sich in Anspruch nimmt, hege ich einen starken Zweifel darüber, 
ob diese Entscheidung wirklich als eine absolute angesehen 
werden darf. Nach meinem Dafürhalten ist sie vielmehr von 
sehr relativer Art, insofern sie nur für die Bedingungen Geltung 
haben kann, unter denen die Verf. arbeitete, und die von den¬ 
jenigen, unter denen Dr. Ponzo seine Versuche anstellte, gänz¬ 
lich verschieden sind. Dazu kommt, dafs v. Freys neue Methode 
mit der Stachelborste auf Grund der von ihm selbst gemachten 
Bestimmungen in ihrer Anwendbarkeit eine derartige Einschrän¬ 
kung erfährt, dafs sie sich, so hoch ihr Wert sonst eingeschätzt 
werden mufs, für die Lösung der Frage, welche Dr. Ponzo ge¬ 
stellt war, nicht geeignet hätte, auch wenn sie zu der Zeit, als 
er seine Versuche ausführte, bereits bekannt gewesen wäre. Ent- 
1 B. Mayer, a. a. O., S. 143.
        

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