Bauhaus-Universität Weimar

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Zur Frage nach der Lokalisation der Hautempfindungen. 
Bei der Behandlung der LokalisationsVorgänge im Bereiche 
der Temperaturempfindungen liest man bei v. Skkamlik, dafs 
bei Ponzos Versuchen „die Örtlichkeit eines Kalt- und Warmreizes 
bei geschlossenen Augen mittels eines Fingers oder eines 
Stäbchens gezeigt“ ward.1 Die Angabe ist falsch. Wie der 
\ erf. aus der überaus klaren Darstellung in dem von ihm be¬ 
benutzten Resume, dem aufserdem Zeichnungen der von uns 
benutzten Instrumente beigegeben sind, eine solche Angabe her¬ 
auslesen konnte, bleibt unverständlich. — Dieselbe Angabe wieder¬ 
holt sich bei der Besprechung der Lokalisation von Schmerzemp¬ 
findungen. Zwar ward beim Aufsuchen des Reizortes bei den 
Schmerzempfindungen ein Stäbchen benutzt, aber dieses war 
kein Stäbchen gewöhnlicher Art, wie man nach v. Skramliks 
Darstellung vermuten mufs, sondern stellt einen kleinen Hilfs- 
apparat dar, auf dessen Anfertigung grofse Sorgfalt verwandt 
ward. Wenn v. Skramlik meint, dafs Ponzos Versuche noch 
keinen Aufschlufs über die Gröfse der Raumschwellen geben, so 
ist darauf zu erwidern, dafs die Lokalisation von Empfindungen 
und die Bestimmung von Raumschwellen zwei verschiedene 
seelische Funktionen sind, und dafs Ponzos nächste Aufgabe 
darin bestand, die erstere zu untersuchen. — Was endlich den Mangel 
betrifft, unter dem nach v. Skramlik Ponzos Versuche leiden sollen, 
insofern nicht recht klar werde, „wie bei den Schmerzempfin¬ 
dungen die Berührung ausgeschaltet war“ 3, so hätte der Verf. 
seine Meinung vielleicht geändert, wenn er die ausführliche Dar¬ 
stellung Ponzos zu Rate gezogen und aufserdem den einen oder 
den anderen der dort beschriebenen Versuche selbst nachgeprüft 
hätte. — Aus v. Skramliks Mitteilung geht nicht hervor, was er 
unter „Berührung“ und „Berührungsempfindung“ versteht. Meint 
er damit im Sinne v. Freys 4, auf dessen Ausführungen er sich 
bezieht, einen sehr leisen und flüchtigen (nach meinen Beobach¬ 
tungen immer diffusen) taktilen Eindruck, wie man ihn bei 
Reizung eines Tastpunktes vermittels eines Reizhaares zu er¬ 
zeugen vermag, dessen Spannungswert sehr nahe der Schwelle 
liegt, oder wie man ihn auch beobachten kann, wenn man einen 
Hautpunkt reizt, der in der unmittelbaren Nähe eines wirklichen 
1 E. v. Skbamlik, a. a. O., 8. 125 (von mir gesperrt). 
2 Ebenda, S. 136. 
3 Ebenda. 
4 M. von Fbey, Zeitschr. f. Biologie 76, S. 4f., 1922.
        

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