Bauhaus-Universität Weimar

über Tastwahrnehmungen. 
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Bewegungen auf die Täuschungen zu untersuchen. Es ist 
bereits davon die Rede gewesen, dafs kleine Ortsveränderungen 
der Tastteile beim Anstellen des Fundamentalversuchs nicht zu 
vermeiden sind. Man kann sich aber mit Leichtigkeit überzeugen, 
dafs durch Bewegungen der an den Gegenstand angelegten 
Tastwerkzeuge oder in benachbarten Gelenken (im Hand-Ellbogen-, 
Schultergelenk) allein der Tasteindruck einer Verbiegung 
nicht aufkommt. Es wäre daran zu denken gewesen, dafs z. B. 
bei dem \ ersuch an der Platte oder an der Mauer eine Bewegung 
der Hand im Handgelenk nach aufwärts, oder eine Erhebung 
des ganzen Armes im Schultergelenk den Eindruck der Deformation 
ermöglicht, zumal es sich um Bewegungen handelt, die beim 
Gelingen der beabsichtigten Wirkung eintreten müssen. Verbiegt 
man nämlich eine Platte nicht nur scheinbar, sondern in Wirklich¬ 
keit, so müssen allmählich die Hände im Handgelenk, und 
Unter- und Oberarm im Schultergelenk gehoben werden, um 
den Erfolg über ein gewisses Mals hinauszutreiben und zu 
bewirken, dafs die Ränder der Platte nicht nur aufgebogen sind, 
sondern sich auch bis zur Berührung nähern. Es hat sich aber 
gezeigt, dafs Bewegungen für das Zustandekommen des 
Verbiegungsein drucks allein durchaus nicht ge¬ 
nügen. 
Wohl aber wird der bereits erzielte Eindruck einer Verbiegung 
verstärkt, die Täuschung also frappanter, wenn man hernach 
die Arme im Schultergelenk hebt, wie dies geschieht, sowie die 
Platte tatsächlich nachgibt. Diese Begünstigung beruht offenbar 
darauf, dafs jeder Vorgang, der sich bei der wirklichen Deformation 
eines Gegenstandes abspielt, die Erinnerung an das dabei not¬ 
wendige Geschehen weckt und verstärkt. 
Hier kommt unterstützend hinzu, dafs bei jeder Lageänderung 
der Arme übersehen wird, dafs die Stellung der Tastwerkzeuge 
zum Gegenstand unverändert geblieben ist. Werden nämlich 
beim Plattenversuch die Arme im Schultergelenk bewegt, so kommt 
es gleichzeitig zu einer Dorsalbeugung der Hand im Handgelenk, 
da ja der Gegenstand in Wirklichkeit nicht nachgibt. Gewohnheits- 
gemäfs bleibt aber die Lage der Hände zu den Unterarmen 
gegenüber der Ausgangsstellung unverändert, wenn man die 
Arme im Schultergelenk bewegt, und dies ist auch der Fall, 
wenn die Platte tatsächlich verbieglich ist. Da diese Lageänderung 
aber psychisch nur teilweise oder überhaupt nicht verwertet wird, 
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