Bauhaus-Universität Weimar

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Fragmente über das Sehen im Traum. 
Von 
Dr. Jakob Streiff (Genua). 
Nachdem das Verständnis des Aufbaus unserer Wahr¬ 
nehmungswelt durch das Studium der subjektiven optischen 
Anschauungsbilder — visualising faculty (Francis Galton), eideti- 
scher Sehtypus (E. R. Jaensch) — bedeutend vertieft worden ist, 
scheinen mir auch die Traumbilder, bzw. die Bedingungen des 
Sehens im Traum, eine frische Betrachtung zu verdienen. 
Obwohl dies Gebiet vielleicht mehr dem Psychologen zusteht, 
möge es doch dem Ophthalmologen gestattet sein, mit dem folgen¬ 
den Versuch einer speziell die optische Seite berücksichtigenden 
Einstellung gegenüber den Traumproblemen wenigstens eine An¬ 
regung zu geben. 
So mächtig die Traumliteratur in den letzten Jahren ange¬ 
wachsen ist, so galt dieselbe doch fast stets vorwiegend der 
psychanalytisehen Traumdeutung und ist eine engere Frage¬ 
stellung in unserem Sinne meines Wissens kaum Gegenstand 
besonderer Bearbeitung geworden. 
Seit etwa einem Jahr von diesem Thema angezogen, begann 
ich zum erstenmal meine Träume genauer zu beobachten und 
sofort beim Erwachen, sei es mitten in der Nacht oder am 
Morgen aufzuschreiben. Nach einiger Übung erlangt man darin 
eine immere gröfsere Fertigkeit, erinnert sich an längere Bilder¬ 
reihen und mehr Einzelheiten und versteht dann erst, die An¬ 
gaben anderer Selbstbeobachter zu bewerten. 
Die Fähigkeit zu träumen oder vielmehr sich seiner Träume 
zu erinnern ist übrigens subjektiv sehr verschieden und nimmt 
zudem mit dem Alter ab. So bin ich auch nach erlangter Übung 
ein verhältnismäfsig wenig geeigneter Vertreter der introspektiven 
Methode und möchte deshalb vor allem jüngere lebhafte Träumer 
zur Nachprüfung der hier gestellten Fragen einladen.
        

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