Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Lokalisation der Empfindungen bei den niederen Sinnen
Person:
Skramlik, Emil v.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35972/9/
Lokalisation der Empfindungen bei den niederen Sinnen. 
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losungen zu verhüten. Jeder kann sich davon überzeugen, wie 
sehr aber die Empfindlichkeit des Geschmackssinns leidet, wenn 
Bewegungen der Zunge nicht gestattet sind, weiter wenn nicht 
die ganze Zunge zur Prüfung herangezogen werden kann, sondern 
nur begrenzte Teile. Einen gewissen Ersatz für diesen Ausfall 
bietet dann die Verstärkung der Konzentration und das Ein¬ 
pinseln, wodurch der gewöhnliche Schmeckakt einigermafsen 
nachgeahmt wird. Die eigentlichen Versuche konnten erst an¬ 
gestellt werden, wenn die Vp. so weit eingeübt war, dafs sie auf 
allen vier Feldern die vier Arten von Geschmacksreizen mit 
Sicherheit erkannte. Es ist befremdlich, dafs selbst so kon¬ 
zentrierte Lösungen bei unbewegter Zunge und begrenztem 
Schmeckfeld im Anfang nicht erkannt werden. Die einzelnen 
Qualitäten verhalten sich dabei aber ungleich. Jeder erkennt 
entweder sofort oder nach wenigen Wiederholungen den süfsen 
Geschmack des Traubenzuckers; bitter mufs etwas öfter geübt 
werden, verursacht aber zumeist keine besonderen Schwierig¬ 
keiten. Salzig und sauer dagegen werden anfangs vielfach ver¬ 
wechselt; bei manchen Vpn. mufsten sogar in verschiedenen 
Sitzungen diese Qualitäten wiederholt geprobt werden, bevor ihre 
Unterscheidung mit Sicherheit gelang. Nach jeder einzelnen 
Darbietung wurde die Mundhöhle sorgfältig mit Trinkwasser 
gereinigt, bevor man eine neue Probe reichte. In der Kegel 
verstrichen zwischen je zwei Darbietungen annähernd drei 
Minuten. Die Versuche wurden an einer Vp. nicht zu lange 
fortgesetzt, um eine Ermüdung psychischer Art zu vermeiden; 
bei der Darbietung von bitter mufste aber das Experiment zu¬ 
meist sehr früh abgebrochen werden, da sich durch die wieder¬ 
holte Aufpinselung von Chinin, vor allem aber durch das nach¬ 
folgende Abspülen, der Bittergeschmack über die ganze Zunge 
verteilt und nicht mehr recht zu entfernen ist. 
Das angewendete Verfahren war stets ein unwissent¬ 
liches. Die Vp., die dem Versuchsleiter gegenüber safs, mufste 
während der Darbietung die Augen geschlossen hallen. Die Zahl 
der binären Kombinationen beträgt bei vier Qualitäten und vier 
Versuchsfeldern 36. Sie ist so grofs, dafs die Versuche durch 
eine Er war tungs Vorstellung nicht beeinflufsbar sind. 
Die Untersuchung des Lokalisationsvermögens 
auf den vier abgegrenzten Feldern nach dem angegebenen Ver¬ 
fahren hat nun ergeben, dafs bei Verwendung der vier Lösungen
        

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