Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Lokalisation der Empfindungen bei den niederen Sinnen
Person:
Skramlik, Emil v.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35972/20/
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Emil v. Skramlik. 
allgemeinen auch möglich, wenn an zwei Stellen gleichzeitig 
verschieden starke Lösungen der gleichen Qualität 
dargeboten werden. Dabei treten Täuschungen auf, indem 
die objektiv stärkere Lösung nicht in allen Fällen richtig lokali¬ 
siert wird. Die Beurteilung ihrer Lage hängt vielmehr vom 
_ _ _ • • 
Individuum, der Örtlichkeit und den Konzentrations¬ 
unterschieden in mannigfacher Weise ab. Sie beruhen auf 
einer an symmetrischen Stellen der Zunge ungleicher Empfind¬ 
lichkeit für die einzelnen Qualitäten, die für salzig besonders 
ausgeprägt ist. 
Versuche mit kleinflächigen Reizen an einzelnen Papillen 
lehrten, dafs die Raum sch wellen des Geschmacksinns 
von der gleichen Gröfsenordnung sind, wie beim Getast. 
Sie sind in der Querrichtung etwas tiefer als in der Längsrichtung. 
Reizt man eine Papille mit einer Mischung von zwei 
Geschmackslösungen, so kann, wie beim Gehör, der ur¬ 
sprünglich einheitlich erscheinende Empfindungskomplex in seine 
Bestandteile aufgelöst werden, die dann gl eichzeitig neben¬ 
einander bestehen. 
Wir vermögen also mit einer auf engem Gebiet zusammen¬ 
gedrängten Gruppe von Geschmacksknospen zu analysieren. 
Als Hauptergebnis sei noch einmal hervorgehoben, dafs beim 
Geschmackssinn sowohl das absolute Erkennungsver¬ 
mögen für einen Reizort, als auch das Unterscheidungs¬ 
vermögen zweier Reizstellen ein sehr feines und von der¬ 
selben Gröfsenverordnung ist, wie beim Getast. 
B. Die Lokalisation der Geruchsempfindungen. 
Schon den ersten Bewohnern auf diesem Gebiete (vor allem 
Valentin1) ist aufgefallen, dafs die Geruchsempfindungen in eigen¬ 
artiger Weise lokalisiert werden. Wir haben hier eine Art von 
Projektion nach aufsen vor uns, die sinnesphysiologisch ohne 
Analogon ist. Sie besteht darin, dafs die Empfindungen nicht 
an diejenige Stelle verlegt werden, wo sich das periphere Sinnes¬ 
feld ausbreitet, wie z. B. beim Getast, und auch nicht nach aufsen, 
wie z. B. beim Gesicht, sondern in den Eingang zur Nase, einen 
Ort, wo die erste Berührung des mit Duftstoff gesättigten Luft¬ 
stroms mit dem Körper stattfindet. 
1 G. Valentin, Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Braunschweig 
1847. Bd. II. s
        

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