Bauhaus-Universität Weimar

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Stephan Kranss. 
durch Müllers Hemmungstheorie des Sehpurpurs bedingt zu 
sein, derzufolge die Zapfentätigkeit einen hemmenden Einflufs 
auf die Sehpurpurbildung ausüben soll („rhodogenetische 
Hemmung“), wogegen der Ausfall dieser Hemmung die Er¬ 
scheinungen der Zapfenblindheit sehr wohl erklären lasse. Der 
Nachweisbarkeit dieser These im Tierversuch steht Müller selbst 
skeptisch gegenüber, da bei den Tieren (bis hoch hinauf) die 
für die Perzeption günstige „Lichtstellung“, bewirkt durch Form¬ 
veränderung der Stäbchen- oder Zäpfchenglieder und Pigment¬ 
wanderung, das Analogon zu dem reflektorischen Hemmungs¬ 
vorgang darstelle, der von einer zentralen, die Stäbchen- und 
Nervenfasern verbindenden Station, seinen Ausgang nähme. 
Jeder Versuch jedoch, die grundlegenden optischen Fähigkeiten 
der Vertebraten für den Menschen zentraler zu begründen, mufs 
einem Zweifel begegnen. Was an Versuchsergebnissen gegen 
die DH-Hypothese auswertbar ist, ist nicht absolut stringent. 
Hierher gehören die PiPERsche1 Schwellenwertbestimmung für 
eine peripher abgebildete Lichtfläche, für die bei Dunkeladapta¬ 
tion (nicht aber bei Helladaptation) mit zunehmender GrÖfse der 
Schwellenwert sank, denn hier kann ja bei zunehmender Exzen¬ 
trizität für eine Kompensation durch die Stäbchen gesorgt sein; 
ferner die Tatsache, dafs der Schwellenwert eines die Netzhaut¬ 
peripherie treffenden und eine Gesichtsempfindung liefernden 
Stromes für beide Adaptationszustände ungefähr der gleiche ist, 
während er für den Zapfenapparat beim Helladaptiertsein höher 
ausfällt; im letzteren Falle genieist nach Müller die nervöse 
Substanz nicht den ihre volle Erregbarkeit gewährleistenden 
Schutz, wie ihn der Stäbchenapparat sowohl durch die Dämme¬ 
rung als auch den geringen Sehpurpurgehalt und daher geringe 
Erregbarkeit bei Helladaptation erhält; der Vergleich bestimmt 
gewifs die Gröfsenordnung der möglichen Hellfunktion des 
von der Sehpurpurtätigkeit nicht frei gedachten Stäbchenapparates. 
Die im ganzen koexistentiale Natur der Hemmungstheorie läfst 
die Akten über die DH-Hypothese noch nicht als geschlossen 
betrachten. 
Unter den Stützpunkten, die G. E. Müller bei seiner Gegen¬ 
überstellung der D- und DH-Hypothese für die letztere beiträgt, 
ist derjenige von besonderer Bedeutung, der die biologische 
1 H. Piper, Zeitschr. f. Psychol. 32, S. 104 ff. 1903.
        

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