Bauhaus-Universität Weimar

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Stäbchenfunktion und Farbenkonstanz. 
Von , 1 
Dr. Stephan Krauss (Wien). 
1. Die Frage einer Hellfunktion des Stäbchenapp^rates. 
Dem noch von Ebbinghaus 1 beklagten Zustand, dafs die Netz¬ 
hautphysiologie und die Lehre von den Licht- und Farben¬ 
empfindungen sich gegenüberstünden „wie zwei kleine Welten, 
die nichts miteinander gemein haben“, konnte naturgemäfs keine 
Dauer bescbieden sein. Die von der v. KRiEsschen Duplizitäts¬ 
theorie und von G. E. Müllers immer weiter vordringenden 
Untersuchungen über die Farbensinnstörungen ausgehende Ent¬ 
wicklung der Bezugnahme begann ihre Fruchtbarkeit auf psycho¬ 
logischem Gebiete durch die KATzsche2 Begründung der „Er¬ 
scheinungsweisen“ der Farben und durch die Inangriffnahme 
einer auf die „Beleuchtungsempfindung“ basierten Farbenwahr¬ 
nehmungslehre durch Bühler zu erweisen. Diese insbesondere, 
die durch den Begriff der „Tiefensonderung“ 3 die optische Reiz¬ 
wirksamkeit des Sehraums vor den Wahrnehmungsgegenständen 
vermöge des ihn füllenden Quale erklärt, führt mit Notwendig¬ 
keit zu einer noch zu begründenden Bezugnahme auf die Netz¬ 
hautelemente und ihre Funktionen, von denen diejenige des 
Stäbchenapparates noch immer, obwohl die Sehpurpurforschung 
nun gerade fünf Dezennien zählt, als ein weites Feld der Auf¬ 
gabe erneuter Untersuchungen erscheint. 
Die Frage, ob dem Stäbchenapparat eine auf Hell- und 
Dunkeladaptation sich erstreckende Doppelfunktion zuzuschreiben 
1 Hermann Ebbinghaus, Zeitschr. f. Psychol. 5, S. 145. 1893. 
2 D. Katz, Die Erscheinungsweisen der Farben und ihre Beeinflussung 
durch die individuelle Erfahrung. Ergb. 7 der Zeitschr. f. Psychol. 1911. 
8 K. Bühler, Handb. d. Psychol. 1. Teil: Die Struktur d. Wahrnehm. 
1. H. : Die Erscheinungsweisen der Farben. Jena 1922. S. 35.
        

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