Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über einige Grundfragen der praktischen Farbenmessung
Person:
Bohnenberger, Fritz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35957/21/
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Fritz Bohnenberger. 
verändert werden kann); auf seiner angenäherten Bestimmung: 
beruht die Verläfslichkeit jeder physiologisch-optischen Messung. 
Für die Frage des „Schwarzgehalts“ folgt aus dieser Über¬ 
legung, dafs auch das Schwarz als Empfindungsinhalt von den 
beiden Faktoren „Reiz“ und „Auge“ abhängt. Da nun von Körper¬ 
farben remittiertes Licht durch ein spektrales Lichtgemisch voll¬ 
ständig substituiert werden kann — Ostwald hat in seiner 
Theorie der Schluckzüge den Weg dazu gezeigt — so mufs der 
den Körperfarben eignende Schwarzgehalt auch an den Spektral¬ 
farben erscheinen, sofern nur die gleichen Bedingungen 
für das Auge gegeben sind. Setzt man einen bestimmten 
Augenzustand als Norm, so gehört zur vollständigen Kenn¬ 
zeichnung einer Farbe nur die Bestimmung des Lichtreizes: die 
Ausdehnung seines Spektrums und die Helligkeit (Energiever¬ 
teilung) in demselben (in praxi: die Angabe der Lichtquelle).. 
Durch vollständige Abwandelung dieser beiden Bestimmungsstücke 
können sämmtliche für den vorausgesetzten Augenzustand mög¬ 
lichen Farbenempfindungen durch weitere Abwandlung auch des 
Augenzustandes sämtliche überhaupt noch möglichen Farben¬ 
empfindungen systematisch aufgesucht werden. 
3. Zur These vom „Farbenhalb“. 
Das Farbenhalb ist vielfach von Gegnern und Freunden der 
OsTWALDSchen Lehre, so auch von Miescher, als ein Hauptartikel 
dieser Lehre hingestellt worden. Demgegenüber wurde schon 
mehrfach — zuletzt durch von Kries1 — darauf hingewiesen, dafs 
experimentelle Beobachtungen über das Farbenhalb noch kaum 
angestellt worden sind — und was, wie hinzugefügt werden mufs, 
deshalb, weil der dazu nötige komplizierte Apparat noch nirgends 
existiert. Ostwalds Versuche mit seinem Farberzeuger (Physik. 
Farbenlehre S. 126 ff.) und meine eigenen Messungen, über die 
ich auf der Deutschen Physiologen-Tagung 1923 berichtet 
habe, tragen durchaus vorläufigen Charakter. Auf Grund der 
bekannten spektralen Mischungsgleichungen läfst sich Voraussagen, 
dafs die Farbenhalbe jedenfalls ungleiche Sättigung, je 
nach ihrem Ort im Spektrum, haben werden; nicht aber, wie 
grofse Sättigung oder Reinheit sie haben werden. Ostwald 
1 Diese Zeitsehr. 57. S. 306. 1925.
        

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