Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der einseitige Astigmatismus und sein Einfluß auf das binokulare Sehen
Person:
Poschoga, N.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35951/15/
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N. Poschoga. 
Weise nicht dem Gesetze der binokularen Blicklinie des zyklopi¬ 
schen Auges. Hinsichtlich der Lokalisation und des Lichtsinnes 
bei dem einseitigen Astigmatismus kommen wir auf diese Weise 
zu Ergebnissen, welche der Lehre Kugels sehr ähnlich sind, 
wenn wir von den bei Kugel sehen Versuchen beobachteten 
Doppelbildern absehen. Hier wie dort wird es bewiesen, dafs 
das Bild des normalen Auges vollkommen ignoriert wird, und 
das binokulare Sehen durch das monokulare des normalen Auges 
ersetzt wird. 
In bezug auf die anderen Formen der Lichtwahrnehmungen 
unterscheidet sich mein binokulares Sehen von dem normalen 
nicht: ich sehe die Gegenstände einfach und körperlich. Wenn 
wir die beschriebenen Beobachtungen verallgemeinern wollten, 
so könnten wir den folgenden Satz aufstellen : bei dem einseitigen 
Defekt des Sehens (Schwächung der Intensität, Unklarheit der 
Konturen) wird die binokulare Wahrnehmung von der monoku¬ 
laren des gesunden Auges ersetzt hinsichtlich derjenigen Wahr¬ 
nehmungen, für welche der Defekt als ein wesentlicher erscheint. 
V. 
In den soeben besprochenen Eigenschaften des binokularen 
Sehens offenbart sich gleichsam die Zweckmäfsigkeit einerseits 
der binokularen Synthese (die Wahrnehmung der Tiefe und der 
Körperlichkeit), andererseits aber der Verdrängung des binoku¬ 
laren Sehens durch das monokulare (der Lichtsinn und die 
Lokalisation). Der Zweckmäfsigkeitscharakter dieser doppelten 
Anpassung führt uns auf die Frage über den Mechanismus, der 
ihr zugrunde liegen soll. Ist er physiologischer oder psycho¬ 
logischer Natur? Wenn er rein physiologischer Natur wäre, dann 
dürften wir eine Summation oder arithmetisches Mittel der Inten¬ 
sität bei der Lichtwahrnehmung erwarten. In Wirklichkeit aber 
haben wir keine Synthese, sondern eine Ersetzung des binoku¬ 
laren Sehens durch das monokulare des normalen Auges ge¬ 
funden. Insofern würde es wohl erlaubt sein, hier eine unbe- 
wufste Tätigkeit mit dem Charakter der Gewöhnung zu vermuten. 
Die analoge Erscheinung, d. h. die Vernachlässigung von einer 
Komponente beobachtet man bekanntlich auch in den Fällen, 
wo das Subjekt mit vollkommen normalen beiden Augen vor die 
Aufgabe gestellt wird, nur mit einem Auge etwas zu betrachten 
ohne das andere zu schliefsen. So gewöhnt man sich z. B. beim
        

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