Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Farbenlehre [1. Zur Kennzeichnung der Farben / 2. Zur Messung der Farben / 3. Zur graphischen Darstellung der Farben / 4. Zur Frage des natürlichen Schwarzgehaltes kalter Körperfarben / 5. Die Halbschattenmethode: Ein einfaches Verfahren zur Herstellung und Prüfung von künstlichem Tageslicht / 6. Über Farbenhalbe und Gegenfarben: Bemerkungen zu F. Bohnenbergers Abhandlung über "Die Bedeutung der Ostwaldschen Farbenlehre"]
Person:
Miescher, Karl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35950/66/
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Karl Miescher. 
haben. Auch die aus Farbenhalben gebildeten Grüne sehen 
nicht so gesättigt aus, wie die auf gleiche Weise hergestellten 
gelben und roten Farben. Was sich hier als Weifsgehalt 
geltend macht, tritt bei den bezogenen Farben als 
Schwarzgehalt auf“.1 Letztere Behauptung ist durchaus 
unverständlich, da sie die Tatsachen direkt auf den Kopf stellt. 
Alle Vollfarben, insbesondere aber die grünen, sind gegenüber 
den Spektralfarben gleichen Farbtones ungesättigt oder weifslich. 
Man sehe z. B. ihre Stellung im Dreifarbendreieck von Kohlkausch 
nach. Diese Weifslichkeit kommt natürlich auch bei allen Körper¬ 
farben zur Geltung, jedoch ohne ihren Schwarzgehalt irgendwie 
zu beeinflussen. Hierzu tritt aber bei kalten und also teilweise 
auch bei grünen Farben die eben erwähnte rein physikalisch 
bedingte Schwierigkeit, dafs die Eigenfarbe bei geringen Werten 
an Gegenfarbe nicht über 60 hinausgeht. Sie ist allein für den 
gröfseren Schwarzgehalt verantwortlich. Die Weifslichkeit der 
orünen Farben erfährt aber dadurch eine weitere Vermehrung; 
ö 
denn sie ist zufolge der Gleichung bei konstanter Gegen- 
T ' ‘ V 
färbe um so gröfser, je kleiner die Eigenfarbe ist. 
Ostwalds Erklärung des kühlen Eindrucks violetter, blauer 
und seegrüner Farben durch ihren übergrofsen Schwarzgehalt 
ist zweifellos unzulänglich. Die Empfindung der Kälte tritt auch 
dann deutlich auf, wenn gelbe und blaue Töne analytisch gleich¬ 
wertig sind. Man sehe sich z. B. die weifsreicheren Farbkreise 
des grofsen Farbatlasses (1. Aufl.) an oder betrachte eine Landschaft 
abwechselnd durch ein gelbes und ein blaues Glas gleicher Durch¬ 
sichtigkeit. Für die Erklärung des Gegensatzes kalt-warm sind 
zweifellos verschiedene Gründe mafsgebend. Einerseits hängt 
er mit der Relativhelligkeit der Vollfärben zusammen, die ja 
bekanntlich bei gelben Farben am gröfsten, bei blauen am 
kleinsten ist; dann aber besonders mit der Empfindung der 
Wärme bei gelblichem Sonnenlicht oder dem rötlichen Licht des 
Feuers und andererseits mit dem Eindruck der Kühle, den uns 
seegrüne Gewässer, bläuliches Eis, insbesondere aber der blaue 
Himmel, hier als Kontrast zur wärmenden Sonne, verursachen. 
Der hohe Schwarzgehalt der kalten Farben bereitet bei der 
Ordnung und Normung der Körperfarben erhebliche Schwierig- 
* Von mir durch Sperrdruck hervorgehoben.
        

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