Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Farbenlehre [1. Zur Kennzeichnung der Farben / 2. Zur Messung der Farben / 3. Zur graphischen Darstellung der Farben / 4. Zur Frage des natürlichen Schwarzgehaltes kalter Körperfarben / 5. Die Halbschattenmethode: Ein einfaches Verfahren zur Herstellung und Prüfung von künstlichem Tageslicht / 6. Über Farbenhalbe und Gegenfarben: Bemerkungen zu F. Bohnenbergers Abhandlung über "Die Bedeutung der Ostwaldschen Farbenlehre"]
Person:
Miescher, Karl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35950/44/
90 
Karl Miescher. 
Wald errechnet daher für letztere und somit auch für den Schwarz¬ 
gehalt einen Mittelwert. Warum das gleiche Verfahren nicht 
auch bei den grünen Farben zur Bestimmung der Gegenfarbe 
und mithin des Weifsgehaltes verwendet wird, ist nicht ersichtlich. 
Bei Farbton 88 ersetzt Ostwald einfach das rote Gegenfilter durch 
ein blaues. Der Weifsgehalt wird dadurch unterschätzt. 
Das analytische Verfahren liefert stets für die Eigenfarbe 
maximale, für die Gegenfarbe minimale Beträge und mithin für 
Weifs und Schwarz zu kleine, für die Reinheit (und auch die 
Sättigung) zu grofse Werte. Die Fehler liegen immer in der 
gleichen Richtung. Bestimmt man die Reinheiten zweier Gegen¬ 
farben und bildet ihr Verhältnis 
(vi : v2), so gleichen sich die 
Mefsfehler weitgehend aus. Es ist 
daher nicht so sehr erstaunlich, 
dafs Ostwald bei Ermittlung 
solcher Reinheitsverhältnisse auf 
ganz anderem Wege, nämlich nach 
dem später zu beschreibenden 
Pomiverfahren, gut übereinstim¬ 
mende Werte fand (mit Aus¬ 
nahme von Grün und Purpur!).1 
Wenn auch daran festzu¬ 
halten ist, dafs die analytische 
Gegenfarbmethode bisher die beste psychologische Kennzeichnung 
einer Körperfarbe ermöglichte und grofse Pionierdienste zur ersten 
Eroberung der Farben weit leistete, ja dafs sie auch in Zukunft 
für viele praktische Zwecke vollkommen genügt, so verlangt doch 
eine feinere Kennzeichnung der Farben für wissenschaftliche 
Zwecke, wie auch die genaue Festlegung von Farbnormen, ein 
exakteres Mefsverfahren. 
Das synthetische Verfahren. Eine rationelle Messung 
der Körperfarben hat sich auf die Vollfarben, d. li. die Lehre 
von Farbenhalb, und mithin auf ihr „ideales“ oder, wie Ostwald 
es nennt, „vereinfachtes“ Spektrum2 zu stützen. Hier ist nur 
die Verdunkelung erster Art zulässig. Wenn auch gewisse 
dunkelklare Farben zweiter Art sich nicht auf ein ideales Spek- 
blau laubgrün 
Abbildung 13. 
1 Wi. Ostwald, Physikalische F., S. 208. 
2 Wi. Ostwald, Physikalische F., S. 224.
        

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