Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Erscheinungen beim Sehen kontinuierlicher Helligkeitsverteilungen
Person:
Gehrcke, E. E. Lau
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit35941/5/
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E. Gehrcke uud E. Lau. 
den Kegel heranbringt (z. B. bis auf etwa 10 cm), nimmt man 
auch bei schwacher absoluter Helligkeit, wo man im Bereich 
der Stäbchen ist, Helligkeitsunterschiede und die Kontrast¬ 
erscheinung, wenn auch schwach, wieder wahr; eine Erklärung 
hierfür möchten wir dahingestellt sein lassen. 
§ 4. Bei Beleuchtung aus der Verlängerung der Kegelachse 
oder bei allseitig symmetrischer Beleuchtung erscheint der Kegel¬ 
mantel überall gleichmäfsig hell, sowohl bei grofser wie bei geringer 
absoluter Beleuchtungsstöcke; und auch die Spitze wird nicht 
mehr gesehen. In diesen Zustand konstanter Helligkeitsverteilung 
ist der Kegel geeignet, eine psychologische Tendenz, die auch 
sonst beim Sehen gleichmäfsig beleuchtet erscheinender Körper 
auftritt, deutlich zu machen und selbst im Auditorium zu 
demonstrieren: nämlich die bei den meisten Menschen vorhandene 
Tendenz, eine ebene Fläche zu sehen bzw. mit Bestimmtheit 
als gesehen zu bezeichnen, sobald der fixierte Gegenstand (Kegel¬ 
mantel) infolge seiner gleichmäfsigen Beleuchtung dem Auge 
keinerlei Einzelheiten darbietet. Eine Kugel ist wegen der viel 
schwierigeren Herstellung der gleichmäfsigen Beleuchtung als 
Demonstrationsobjekt für diesen Zweck weniger geeignet als ein 
Kegel. Der letztere wurde übereinstimmend von den von uns 
herangezogenen, vorurteilsfreien Versuchspersonen aus einer Ent¬ 
fernung von etwa 12 m für eine weifse Kreisscheibe gehalten. 
Die Tendenz, Flächen statt Körper zu sehen, ist sehr eigenartig • 
sie besteht, wie gesagt, bei völliger Abwesenheit irgendeiner 
sichtbaren Einzelheit oder eines Schattens auf dem weifsen 
Gegenstände, z. B. dem obigen Kegelmantel. Wenn Einzelheiten 
oder Schatten auf einem weifsen Objekt erkennbar sind, so tritt, 
auch wenn durch die Versuchsanordnung die Querdisparation 
ausgeschaltet ist, die Tendenz auf, körperliche Objekte 
(Kugeln, gewölbte Flächen usw.) statt ebener Flächen als be¬ 
stimmt vorhandene zu sehen. So konnten wir es erzielen, dafs 
eme weifse Papierscheibe von 17 cm Durchmesser, die mit 
einigen groben Schatten bemalt war, von vielen Versuchspersonen 
aus einer Entfernung von etwa 13 m als Kugel angesehen wurde, 
wahrend der dicht bei ihr stehende, gleichmäfsig erleuchtete 
wei se Kegelmantel mit Bestimmtheit als Kreisscheibe an¬ 
gesprochen wurde.
        

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