Bauhaus-Universität Weimar

Julius Richard Ewald f. 
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Auch die Lehre vom Labyrinthtonus fand viel Widerspruch, 
bis sie kürzlich, nachdem Bethe schon 1897/98 Analoges an 
Wirbellosen beobachtet hatte {Arch. f. mükr. Anat. 50. 51), durch 
die schönen Untersuchungen von Magnus und Mitarbeitern be¬ 
stätigt und erweitert wurde {Pflügers Arch. 145. 147. 149. 154. 159. 
160). Danach ist die Sachlage so: Es gibt zunächst direkte 
Labyrinthreflexe auf die Muskulatur. Da aber die Körpermus¬ 
keln von der Halsmuskulatur reflektorisch beeinflufst werden, 
und diese letztere wieder unter dem unmittelbaren Einflufs der 
Labyrinthe steht, müssen wir auch indirekte Labyrinthmuskel¬ 
reflexe annehmen. Die erste Entdeckung dieser für alle 
Körperbewegungen wichtigen Zusammenhänge bleibt Ewalds 
unvergängliches Verdienst. 
Vielleicht durch seine eben erwähnten Beobachtungen über 
die Schallreaktionen labyrinthloser Tauben auf das Gebiet der 
Akustik geführt, wendete Ewald sich nun der Theorie des 
Hörens zu. Entsprechend seiner Veranlagung, die den anschau¬ 
lichen Versuch der theoretischen Spekulation vorzog, versuchte 
er langgestreckte Gebilde nach Art der Membrana basilaris mit 
merklicher Quer- und sehr kleiner Längsspannung herzustellen, 
in der Hoffnung, bei ihrer Erregung durch Schwingungen lokale 
Ausbauchungen gemäfs der HELMHOLTzschen Resonanztheorie 
wahrzunehmen. (Er betonte später immer, dafs die Bezeichnung 
„Resonanztheorie“ nicht treffend sei; auch die seinige sei eine 
Resonanztheorie. Helmholtz habe eine spezielle „Resonatoren¬ 
theorie“ aufgestellt.) Seine Bemühungen glückten nicht; immer 
bildeten sich auf der Membran, sei sie nun gleichmäfsig oder 
ungleichmäfsig gespannt, grofs oder klein, überall gleichbreit 
oder sich verschmälernd, aus Gummi oder aus sonst einem 
Material, stehende Wellen aus, die er in ihrer Gesamtheit das 
Schallbild nannte {Pflügers Arch. 76, S. 147, 1899. 93, S. 485, 1903). 
Er stellte nun die Theorie auf, dafs durch den zugeleiteten 
Schall auch im Ohr auf dem langen Band, das die Grund¬ 
membran darstellt, Schallbilder erzeugt werden, bei tiefen Tönen 
mit grofsem, bei hohen mit kleinem Abstand. Bei Geräuschen 
entständen nicht stehende, sondern nur laufende Wellen. „Jeder 
Ton würde als Zeichen eine Reihe stehender Wellen auf der 
Grundmembran erzeugen, und das so entstehende Schallbild 
würde durch Vermittlung der Acusticusfasern im Gehirn die 
Empfindung des betreffenden Tonus hervorrufen.“ 
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