Bauhaus-Universität Weimar

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Martin Grildemeister. 
1892). In diesem Buch findet sich aufser vielen, für einen For¬ 
scher auf diesem Gebiet jetzt ganz unentbehrlichen Angaben 
technischer Art, eine Fülle neuer und origineller Versuche übei 
Reizung und Ausschaltung des Labyrinths, vorwiegend an 
Vögeln, jedoch auch an Amphibien und Säugern. Das Buch 
gipfelt in zwei Thesen, die Anlafs zu vielen Debatten gegeben 
haben: 1. Eine Taube hört noch nach gänzlicher Fortnahme 
beider Endapparate des Oktavus. Der Oktavusstamm kann also 
unmittelbar durch Schall gereizt werden. 2. Dei Endapparat 
des Oktavus übt einen beständigen Einflufs auf die gesamte 
quergestreifte Muskulatur aus, er reguliert den Muskeltonus. 
Ewald sprach deshalb vom „Tonuslabyrinth“. 
Der erste Satz erregte starken Widerspruch. Mehrere Nach¬ 
untersucher stimmten bei (z. B. Wundt), andere wieder konnten 
der Deutung der Versuche nicht beipflichten (Hermann, Bernstein). 
Überblicken wir das Hin und Her der Debatte, so müssen wir 
zugestehen, dafs die Angelegenheit nicht geklärt ist. Sollte, wie 
Ewalds Gegner meinten, die labyrinthlose Taube durch ihre 
Hautsinne auf die Luftbewegung des Schalles reagieren und 
nicht durch den Hörnerven, so wäre es doch Ewalds Verdienst, 
als Erster eine Art von vikariierendem Eintreten eines Sinnes¬ 
organs für das andere gefunden zu haben. 
Was den Labyrinthtonus anbetriift (bei dein wir noch ver¬ 
weilen wollen, weil Ewald mit Goltz auch den nichtakustischen 
Teil des Ohres als Sinnesorgan auffafste), so war Ewald dauernd 
bemüht, neues Material für seine Theorie zu sammeln. So findet 
er (Pflügers Arch. 63, S. 521, 1896), dafs die Labyrinthe beim 
Kaninchen den Verlauf der Totenstarre der quergestreiften Mus¬ 
keln beeinflussen. Diejenigen Muskeln, welche im Leben nach 
Fortnahme eines Labyrinths mehr innerviert werden, erstarren 
auch früher. Die wichtige Frage der Beziehungen zwischen 
Labyrinth und Gehirn behandelt er in mehreren Arbeiten 
{Pflügers Arch. 60, S. 492. 1895, Perl Ein. Wochenschr. 1896, Nr. 42, 
Wien. Ein. Wochenschr. 1896, Nr. 9, Verh. des Kongr. für innere 
Med. 1897, S. 245). Nimmt man einem Tier ein oder beide Laby¬ 
rinthe fort, so bessern sich im allgemeinen mit der Zeit die an¬ 
fangs starken Störungen, indem „Ersatzerscheinungen“ auftreten. 
Diese Ersatzerscheinungen sind vermindert, wenn man das Grofs- 
hirn vorher entfernt, und zwar desto mehr, je höher das Tier 
steht.
        

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