Bauhaus-Universität Weimar

Li te ra turberich t. 
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Ausdruck findet. Das Lachen nimmt so viele verschiedene Formen an, als 
es verschiedene Charaktere, Geisttypen und Seelenzustände giebt; es fügt 
sich daher keiner allgemeinen Theorie und ist nicht Object der Wissen¬ 
schaft“ (?). — Ein unerwartet dürftiges Ergebnifs! Dankenswerth ist der 
referirende und kritische Theil des Buches, in welchen vier Haupttheorien 
des Lachens zur Besprechung gelangen, nämlich 1. die physiologische von 
Spencer und Bain (das Lachen ist eine explosive Entladung von Nerven- 
energie), 2. die intellectualistische Theorie des Gegensatzes von Schopen¬ 
hauer, Dumont, Renouvier, Lachen ist Correlat des Widerspruches, der 
Ueberraschung, 3. die pessimistische Theorie von Aristoteles, Hobbes, 
Lamennais (Lachen ist Aeufserung des Dünkels, der Boshaftigkeit, der 
Ueberlegenheitsfreude, der befriedigten Eigenliebe) endlich 4. die ästhe¬ 
tische Theorie einiger dramaturgischer Schriftsteller (Lachen ist ein Modus 
des Spieles, der Geist spielt mit dem Lächerlichen). Lesenswerth sind 
auch die Abschnitte über Sympathie und Antipathie im Lachen (S. 32) und 
über die dreifache (hygienische, moralische und ästhetische) Function des 
Lachens. 
Noch eine Bemerkung: Sollte es nur Pedanterie sein, wenn wir die 
Wortverbindung „Psychologie des Lachens“ für ebenso unzulässig halten, 
wie etwa Verbindungen „Psychologie des Hustens oder des Niefsens?“ 
Wir finden nämlich, dafs das Lachen selbst eine specifisch physiologische 
Erscheinung ist; psychologischer Natur wäre das Lächerliche (der lachen¬ 
erregende Vorstellungsinhalt) oder die Heiterkeit oder das Innewerden des 
Komischen u. dergl. Ob nicht bei Festhaltung dieser Unterscheidung das 
ganze Ergebnifs des Buches ein anderes geworden wäre? 
Kreibig (Wien). 
A. Allin. Play. The University of Colorado Studies 1 (1), 59—73. 1902. 
Der Verf. vertritt den Standpunkt, dafs das Spiel der Jugend eine 
Propädeutik für das sociale Leben bedeute, und dafs sich aus dieser Rolle 
auch die Berechtigung des Spielens ergebe. Die Lehre Spencer’s und 
Groos’ vom Spielinstinet sucht der Verf. durch Anführung sonstiger das 
Spiel begründender Umstände zu verbessern und kommt zu dem Schlüsse: 
„Spiele sind entweder 1. von den Vorfahren übernommene Bethätigungen 
Erwachsener, welche der Jugendnatur angepafst werden, oder 2. Be¬ 
thätigungen Erwachsener der Gegenwart in Uebertragung auf die Reife 
des kindlichen Verstandes, oder endlich 3. allgemein übliche gesellige Be¬ 
thätigungen, ausgeführt mit Vergnügen an Ehre und Meisterschaft.“ 
Einige beachtenswerthe Hinweise auf das Spiel in Ceremonien- und 
Märchenpflege sind beigefügt. Die Abhandlung ist, von einigen über¬ 
flüssigen Superlativen in der Werthschätzung des Spieles abgesehen, jeden¬ 
falls anregend geschrieben und als Uebersicht der einschlägigen Haupt¬ 
gesichtspunkte nicht ohne Nutzen. Kreibig (Wien). 
Loewenstimm. Eid und Zeugnifspflicht nach den Ansichten des Volkes. Archiv 
für Criminal- Anthrop. 7, S. 191—213. 1900. 
Je höher die Cultur eines Landes, desto mehr verliert der Eid an Be¬ 
deutung, da in einem solchen Staate das Bewufstsein ausgebildet ist, dafs
        

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