Bauhaus-Universität Weimar

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Zur Lehre von den Urtheilstäuschungen. 
Von 
O. Rosenbach in Berlin. 
I. 
Die Beschreibung neuer Formen von Urtheilstäuschungen 
oder wichtigerer Varianten schon bekannter erscheint wünschens- 
werth, nicht, weil es noch neuer Beweise für die interessante 
Thatsache, dafs aus richtigen (normalen) Sinneswahrnehmungen 
falsche Schlüsse gezogen werden, bedarf, sondern wegen der 
Beleuchtung, die der psychologische Procefs der Objec- 
tivirung und Association von Sinneswahrnehmungen resp. die 
Lehre von den inductiv gewonnenen Schlüssen durch jeden 
neuen Fall zwangsmäfsiger Entstehung eines falschen Ur- 
theils erfährt. Abgesehen aber von den für die Theorie nicht 
unwichtigen Ergebnissen scheint mir die methodisch-ver¬ 
gleichende Analyse der verschiedenen Formen von Urtheils- 
und Sinnestäuschungen — denn es giebt auch solche — noch 
von Werth für die praktische (Individual-)Psychologie, näm¬ 
lich als Grundlage für die Bemessung der individuellen 
Fähigkeit und Methodik der Begriffsbildung, 
Schlufsfolgerung oder Verallgemeinerung von Wahr- 
nehmungen. 
Meines Erachtens ist es möglich, aus der Art und Form 
resp. Schnelligkeit der (einen solchen falschen Schlufs invol- 
virenden) Urtheilsabgabe einen Einblick in die individuelle 
Form des Schliefsens und somit auch einen Maafsstab für 
die Vergleichung zu erhalten, oder mit anderen W orten : 
Man kann unter geeigneter Modification der Problem- resp. Frage¬ 
stellung (s. u.) unschwer Anhaltspunkte gewinnen für die Be¬ 
messung der individuellen Fähigkeit oder Neigung, schon 
aus einigen gegebenen Gliedern (Anfangs- oder Endgliedern)
        

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