Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3483/442/
430 Dritte Abtheilung. Vierzehnter Abschnitt. 
weise schwankend. Ich habe in diesen Fällen das B vor dem d 
und das B vor dem b bevorzugt, weil die Verwandtschaft der 
Quinte eine nähere ist als die der Terz. Es stehen aber B und B 
im Quintenverhältniss beziehlich zu den der Tonica C nächstver¬ 
wandten Tönen F und G, d und b aber nur im Terzenverhältniss. 
Doch ist dieser Grund wohl nicht ausreichend, die letztgenannten 
Töne von der Anwendung im homophonen Gesänge ganz aus- 
zuschliessen. Denn wenn in der melodischen Bewegung die Se- 
cunde der Tonart in enge Nachbarschaft zu den mit F verwand¬ 
ten Tönen tritt, zum Beispiel zwischen F und a gestellt wird, oder 
ihnen nachfolgt, so wird es einem genau intonirenden Sänger ge¬ 
wiss natürlicher sein, das dem .Fund a direct verwandte d als 
das nur im dritten Grade verwandte I) anzugeben. Die ein wenig 
engere Beziehung des letzteren zur Tonica wird hier kaum den 
Ausschlag geben können. ' 
Auch glaube ich nicht, dass in dieser Zweideutigkeit der aus¬ 
füllenden Töne ein Mangel des Tonsystems liegt, da in dem mo¬ 
dernen Mollsystem die Sexte und Septime der Tonart nicht nur 
um ein Komma, sondern um einen halben Ton geändert werden, je 
nach der Richtung der melodischen Bewegung. Entscheidendere 
Gründe für die Anwendung des B statt des d werden wir übrigens 
im nächsten Abschnitte kennen lernen, wenn wir uns von der ho¬ 
mophonen Musik zu dem Einflüsse der harmonischen Musik auf 
die Tonleitern hinwenden werden. 
Wir haben oben gesehen, dass die natürliche Stimmung der 
grossen Terz h zuerst von Archytas für das enharmonische Ge¬ 
schlecht gefunden und festgestellt wurde. In diesem Geschlechte 
war die Quintenfolge durchbrochen, und es war deshalb kein 
Grund, die Quintenstimmung zu bevorzugen. Die richtige Stim¬ 
mung der kleinen Terz j fand erst Eratosthenes (im dritten 
Jahrhundert vor Chr.) und zwar für das chromatische Geschlecht. 
Erst Did y mus fügte im ersten Jahrhundert nach Chr. die rich¬ 
tige Stimmung für das diatonische Tetrachord hinzu. Seine Ein- 
theilungen des Tetrachordes sind folgende: 
Enharmonisch : 
Chromatisch : 
Diatonisch: 
32 31 £ 
31 30 4 
16 25 6 
15 24 5 
16 10 9_ 
15 9 8
        

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