Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3483/28/
16 Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. 
kommen, und deren Anzahl bis auf viele Tausende in der Secunde 
steigen kann. 
• Unserer Definition der periodischen Bewegung gemäss kön¬ 
nen wir nun die gestellte Frage so beantworten: Die Empfin¬ 
dung eines Klanges wird durch schnelle periodische 
Bewegungen der tönenden Körper hervorgebracht, 
die eines Geräusches durch nicht periodische Bewe¬ 
gungen. 
Die tönenden Schwingungen fester Körper können wir sehr’ 
häufig mit dem Auge erkennen. Wenn auch die'Schwingungen 
zu schnell vor sich gehen, als dass wir jeder einzelnen mit dem 
Auge folgen könnten, so erkennen wir doch leicht an einer tönen¬ 
den Saite, oder Stimmgabel, oder an der Zunge einer Zungen¬ 
pfeife, dass dieselben in lebhafter hin- und hergehender Bewegung 
zwischen zwei festen Grenzlagen begriffen sind, und das regel¬ 
mässige und scheinbar ruhig fortbestehende Bild, welches ein 
solcher schwingender Körper trotz seiner Bewegung dem Augé 
darbietet, lässt auf die Regelmässigkeit seiner Hin- und Hergänge 
schliessen. ln anderen Fällen können wir die schwingende Be¬ 
wegung der tönenden festen Körper fühlen. So fühlt der Bla-- 
sende die Schwingungen der Zunge am Mundstück der Clarinette: 
Oboe, des Fagotts, oder die Schwingungen seiner eigenen Lippen 
im Mundstück der Trompete und Posaune. 
Unserem Ohre werden nun die Erschütterungen, welche von 
den tönenden Körpern ausgehen, in der Regel erst durch Vermit¬ 
telung der Luft zugetragen. Auch die Lufttheilchen müssen pe¬ 
riodisch sich wiederholende Schwingungen ausführen, um in un¬ 
serem Ohre die Empfindung eines musikalischen Klanges hervor¬ 
zubringen. Dies ist auch in der That der Fall, obgleich in der 
alltäglichen Erfahrung der Schall zunächst als ein Agens er¬ 
scheint, welches fortdauernd im Lufträume vorwärts schreitet und 
sich immer weiter und weiter ausbreitet. Wir müssen aber hier 
unterscheiden zwischen der Bewegung der einzelnen Lufttheilchen 
selbst — diese ist periodisch hin- und hergehend innerhalb enger 
Grenzen — und der Ausbreitung der Erschütterung des Schalls; 
diese letztere ist es, welche fortdauernd vorwärts schreitet, indem 
immer neue und neue Lufttheilchen in den Kreis der Erschütte¬ 
rung gezogen werden. 
Es ist dies eine Eigenthümlichkeit aller sogenannten Wel¬ 
lenbewegungen. Man denke sich in eine eben ruhige Wasser-
        

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