Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3483/163/
Klänge der Flötenpfeifen. 151 
bestimmen. Uebrigens bängt nun der Charakter der musikali¬ 
schen Klangfarbe dieser Pfeifen wesentlich davon ab, ob die har¬ 
monischen Obertöne des angeblasenen Tones hinreichend nahe 
eigenen Tönen der Pfeife entsprechen, um ebenso wie der Grund¬ 
ton verstärkt zu werden, oder nicht. Nur bei den engen cylindri- 
schen offenen Pfeifen, wie z. B. den Flöten, den Geigenprincipalen 
der Orgel, sind die höheren Eigentöne des Rohres genau entspre¬ 
chend den harmonischen Obertönen des Grundtons. Durch stär¬ 
keres Blasen, wobei das erregende Luftgeräusch selbst höher wird, 
kann man die höheren Töne des Rohres allein, zum Ansprechen 
bringen. Eine Flöte, welche bei schwachem Blasen mit geschlos¬ 
senen Löchern d' hören lässt, giebt bei stärkerem Blasen d", bei 
noch stärkerem «"und(ü"', also den ersten, zweiten, dritten, vierten 
harmonischen Oberton von d'. Bei den engen cylindrischen Pfei¬ 
fen werden demnach neben dem Grundton auch eine Reihe seiner 
harmonischen Obertöue durch die. Resonanz des Rohres ver¬ 
stärkt, namentlich wenn scharf geblasen wird, so dass das Luft¬ 
geräusch selbst viele höhere Töne enthält. Dem entsprechend 
hört man denn auch bei den stark angeblasenen engen cylindri¬ 
schen Pfeifenregistern der Oi’gel (Geigenprincipal, Violon- 
cell, Yiolonbass, Viola di Gamba) eineReihe vonObertönen 
deutlich und kräftig den Grundton begleiten, was dem Klang die 
schärfere, geigenähnliche Farbe giebt. Ich finde mit Hilfe der Re¬ 
sonanzröhren, dass dieTheiltöne bis zum 6ten bei den genannten 
engeren Pfeifenarten deutlich hörbar sind. Bei den weiteren offe¬ 
nen Pfeifen dagegen sind die nächstliegenden Eigentöne des Roh¬ 
res alle etwas höher, als die entsprechenden harmonischen Töne 
des Grundtons, und deshalb werden die letzteren durch die Re¬ 
sonanz des Rohres viel weniger verstärkt. Die weiten Pfeifen, 
welche wegen ihrer grösseren schwingenden Luftmasse und weil 
sie stärkeres Anblasen erlauben, ohne in einen Oberton überzu¬ 
springen, die Hauptklangmasse der Orgel geben, und deshalb 
Principalstimmen heissen, bringen aus dem angeführten 
Grunde allein den Grundton stark und voll, mit schwächerer Be¬ 
gleitung von Nebentönen. Bei hölzernen Principalpfeifen finde 
ich den ersten Oberton, die Octave, sehr deutlich, den zweiten, 
die Duodecime, schon schwach, die höheren nicht mehr deutlich 
wahrnehmbar. Bei metallenen war auch noch der vierte Partial¬ 
ton wahrnehmbar. Die Klangfarbe dieser Pfeifen ist voller und 
weicher als die der Geigenprincipale. Bei schwachem Anblasen
        

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