Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zweiter Theil: Chemie der Verdauungssäfte und der Verdauung
Person:
Maly, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit34/82/
82 Maly, Chemie der Yerdaunngssäfte u. Verdauung. 2. Cap. Magensaft etc. 
in der concentrirten Lösung Nahrungsmittel unangegriffen liegen blei¬ 
ben und den Magen ballastartig beschweren. 
Bei denjenigen Eiweisskörpern, die wir sowohl flüssig als ge¬ 
ronnen kennen, wie das beim Hühnereiweiss der Fall ist, kommt 
auch der Aggregationszustand in Betracht. Man kann das Ei- 
weiss eigentlich in 3 Formen der Pepsinprobe unterwerfen: 1. flüssig, 
wie es im rohen oder nur wenig erwärmten Ei enthalten ist; 2. fest 
geronnen wie im hartgekochten Ei, und endlich 3. flockig geronnen 
wie es etwa in einer Suppe enthalten ist, in die vor dem letzten 
Aufkochen ein Ei eingerührt worden ist. Man hält im gewöhnlichen 
Leben ein hartgekochtes Ei für eine schwer verdauliche Speise und 
darum hat auch das Pepsin-Experiment darüber eine praktische 
Bedeutung. Meissner, Arnold1, Fick2, Wawrinski3 haben genaue 
vergleichende Prüfungen angestellt. In dem bisherigen Sinne, in 
welchem Verdauung mit Verflüssigung oder Lösung gleichgesetzt 
wurde, kann man eigentlich gar nicht von einer Verdauung des lös¬ 
lichen Hühnereiweisses sprechen, denn dieses mischt sich ohne wei¬ 
teres mit angesäuerter Verdauungsflüssigkeit; wenn man aber, wie 
wir das in der Folge allein werden festhalten müssen, die Verdauung' 
an der Menge des entstandenen Peptons abmisst, so muss von einer 
Verdauung des flüssigen Eiweisses so gut die Rede sein wie von 
der des halb oder ganz geronnenen. Nach Meissner verwandelt 
sich das geronnene Eiweiss leichter in Pepton als das flüssige, wäh¬ 
rend in Fick’s Versuchen ein Unterschied kaum beobachtet werden 
konnte, wenn einerseits flüssiges, anderseits gleich viel flockig ge¬ 
ronnenes Eiweiss mit je gleich viel Pepsin während derselben Zeit 
digerirt wurden; es waren beiderseits fast gleiche Mengen an Pepton 
o-ebildet worden. Die Unterschiede bei beiden Beobachtern rühren 
o 
daher, dass zum Theil unter verschiedenen Umständen, z. B. mit 
verschiedenen Säuregraden gearbeitet wurde, was in den Versuchen 
von Wawrinski genauer berücksichtigt ist. Wawrinski theilte eine 
Hühnereiweisslösung in zwei Theile und kochte die eine; in einer 
dritten Portion wurde der Gehalt an Eiweiss bestimmt. Die beiden 
ersten Eiweissportionen wurden mit gleich viel künstlichem Magen¬ 
saft (dessen Gehalt an festen Stoffen ebenfalls bekannt war) vermischt 
und in den Brütofen von 38—40° C. gestellt, bis das geronnene Ei¬ 
weiss vollständig gelöst war.4 Dann wurden beide Proben neutra- 
1 Arnold, Canstatt’s Jahresber. d. Med. 1558.1. S. 38. 
2 Fick, Jahresber. d. Thierchemie I. S. 191. 1871. 
3 "Wawrinski, Ebenda 111. S. 175. 1873. 
4 Auf 1—3 Grm. Trockengewicht des Eiweisses 100—150 C.-C. Magensaft.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.